Millionen Fußballfans in Indien und China erleben derzeit die gleiche existenzielle Angst wie ein Elfmeter in der Nachspielzeit: Werden sie die WM überhaupt zu sehen bekommen? Nur wenige Wochen vor Turnierbeginn haben sich die Sender der beiden bevölkerungsreichsten Nationen noch nicht mit der FIFA, dem globalen Fußballverband, auf die TV-Rechte geeinigt.

Es ist, wie man es vorsichtig ausdrücken könnte, etwas ungewöhnlich, dass TV-Rechte-Deals für ein Ereignis dieser Größenordnung so kurz vor dem Anpfiff nicht unter Dach und Fach sind. Solche Vereinbarungen werden normalerweise Monate, wenn nicht Jahre vor der Eröffnungszeremonie getroffen – wie eine Hochzeitseinladung, die am Tag vorher verschickt wird. Lokale Medien in beiden Ländern berichten, dass FIFA und Sender immer noch über die Kosten für die Übertragung der Spiele feilschen, was ein bisschen so ist, als würde man über den Ticketpreis streiten, nachdem man bereits ins Flugzeug gestiegen ist.

Die FIFA teilte der BBC mit, dass die Gespräche in China und Indien „noch andauern und in dieser Phase vertraulich bleiben müssen“, ohne auf die beteiligten Gebühren einzugehen – ein klassischer diplomatischer Seitensprung, der jeden Politiker stolz machen würde. Insgesamt 180 Gebiete haben nun Verträge mit der FIFA abgeschlossen, aber einige wenige haben sich noch nicht die Rechte zur Übertragung der WM 2026 gesichert, darunter Indien und China – die zusammen etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ausmachen. Das sind viele Menschen, die möglicherweise auf einen leeren Bildschirm starren.

Das erste Angebot der FIFA an den staatlichen Sender China Central Television (CCTV) für die Rechte am Turnier lag Berichten zufolge bei bis zu 300 Millionen Dollar (220 Millionen Pfund). Die FIFA hat den Preis nun auf 120 bis 150 Millionen Dollar gesenkt, so die staatlich kontrollierte Zeitung Beijing Daily. Aber das ist immer noch mehr als das Doppelte des Budgets von CCTV für das Ereignis, so die Zeitung – denn nichts sagt „gutes Geschäft“ wie das Verlangen des Doppelten dessen, was sich der Kunde leisten kann.

Die Beijing Daily merkte an, dass das Interesse der Fußballfans im Land geringer sein dürfte, da sich China nicht für das Turnier qualifiziert hat. Die Zeitung wies auch darauf hin, dass der Zeitunterschied zwischen China und Nordamerika bedeutet, dass viele Spitzenspiele für chinesische Fans in den frühen Morgenstunden stattfinden – eine Terminwahl, die die Grenzen des Koffeinkonsums zu testen scheint. Bei früheren Weltmeisterschaften wurden Deals zwischen China und der FIFA weit früher abgeschlossen; die FIFA gab im November 2017 bekannt, dass sie eine exklusive Vereinbarung mit CCTV zur Übertragung der WM 2018 und 2022 getroffen hatte.

Während noch keine Einigung zwischen der FIFA und einem indischen Sender erzielt wurde, berichteten lokale Medien diese Woche, dass ein Deal wahrscheinlich bald bekannt gegeben werde. Für Fans in Indien und China bleibt die Spannung also bestehen – wie ein Elfmeterschießen, das einfach nicht enden will.