Es ist etwas mehr als einen Monat her, seit China zum ersten Mal einen Orbitalklasse-Raketenbooster geborgen hat, und schon hat ein zweites Unternehmen es geschafft. Am Dienstag vollendete die Zhuque-3 von LandSpace eine einwandfreie Landung der ersten Stufe und bewies, dass Chinas Raumfahrtindustrie nicht nur aufholt - sie tut dies mit alarmierender Geschwindigkeit.

Zum Vergleich: Blue Origin brauchte zehn Jahre, um nach der Falcon 9 von SpaceX im Jahr 2015 einen Orbitalklasse-Booster mit Antrieb zu landen. China hat das jetzt zweimal in 40 Tagen geschafft. Die Lange Marsch 10B von der Shanghaier Akademie fuer Raumfahrttechnologie der CASC wurde am 10. Juli von einem Netz auf einer Offshore-Plattform gefangen. Jetzt ist die Zhuque-3 von LandSpace auf Beinen an Land in der Wueste Gobi gelandet, wie ein wohlerzogener Rasenpfeil.

Die ZQ-3 startete am Dienstag um 19:35 Uhr EDT (23:35 UTC) vom Satellitenstartzentrum Jiuquan, etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang am Weltraumbahnhof. Neun methanbetriebene Triebwerke trieben die 216 Fuss (66 Meter) hohe Rakete auf einer suedöstlichen Flugbahn, dann uebernahm die obere Stufe, um einen einzelnen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Die erste Stufe aus Edelstahl stieg bis zum Rand des Weltraums, manövrierte dann zu einer Landezone 240 Meilen (390 Kilometer) entfernt und setzte auf vier ausfahrbaren Landebeinen auf.

LandSpace, 2015 gegruendet, erklaerte die Mission zu einem voelligen Erfolg. "Diese Mission markiert Chinas erste erfolgreiche Bergung der ersten Stufe eines Orbitalklasse-Startfahrzeugs mit Landebeinen und Chinas erste erfolgreiche Boosterbergung an Land", sagte das Unternehmen. Es ist ein entscheidender Flugtest fuer die Zhuque-3, waehrend sie von der technologischen Demonstration zur technischen Anwendung uebergeht - was eine schicke Art ist zu sagen: 'Wir werden diese Dinger wiederverwenden.'

Die Bruchlandung des ersten Zhuque-3-Boosters im Dezember veranlasste die Ingenieure zu Aenderungen: Sie verwendeten nur ein einziges Triebwerk fuer die letzte Landephase und optimierten den Hitzeschild fuer den Wiedereintritt. Dai Zheng, Leiter des Zhuque-3-Projekts, beschrieb das letzte Bremsmanoever als 'Einmal-Rueckwaertseinparken' bei hoher Geschwindigkeit, was sowohl beeindruckend als auch leicht beaengstigend klingt.

Der geborgene Booster wird nun inspiziert, gewartet und fuer einen weiteren Flug vorbereitet. LandSpace plant, jeden Booster mindestens 20 Mal zu fliegen, was eine schoene runde Zahl ist, die voraussetzt, dass nichts explodiert. Das Grunddesign der Zhuque-3 kann mehr als 17.600 Pfund (8 metrische Tonnen) in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen, wenn der Booster geborgen wird, und eine verbesserte Version koennte mehr als 40.000 Pfund (18,3 metrische Tonnen) im Wiederverwendungsmodus bewältigen.

Diese Rakete baut auf der frueheren Zhuque-2 von LandSpace auf, die 2023 als erste methanbetriebene Trägerrakete der Welt die Umlaufbahn erreichte. Jetzt bereiten sich Chinas Raketenfirmen auf ein paar geschaeftige Monate vor. Der Lange Marsch 10B-Booster soll vor Ende des Jahres wieder fliegen, und mehrere andere wiederverwendbare Raketen sind in der Pipeline: die Lange Marsch 12A, Lange Marsch 12B, Pallas-1 von Galactic Energy, Hyperbola-3 von iSpace und Tianlong-3 von Space Pioneer, die bei ihrem ersten Teststart frueher in diesem Jahr fehlschlug.

In der Zwischenzeit hat die US-Raketenindustrie lange Zeit bei Starts und Nutzlastmasse dominiert, hauptsaechlich dank der Falcon 9 von SpaceX. Aber SpaceX plant, die Falcon 9 nach 2028 auszumustern und durch Starship zu ersetzen - eine riesige Rakete mit mindestens der fuenffachen Nutzlastkapazitaet. Starship bleibt experimentell und hat eine Geschichte von Verzoegerungen, daher ist unklar, ob es rechtzeitig uebernehmen kann. New Glenn von Blue Origin ist nach einer Explosion im Mai am Boden, und United Launch Alliance hat keine Wiederverwendungsplaene.

Chinas Bank ist wohl genauso tief wie die der USA, auch wenn kein einzelnes Unternehmen mit der Startfrequenz von SpaceX mithalten kann. Aber mit wiederverwendbaren Raketen koennte China die Luecke schliessen. Die beiden groessten Satellitenkonstellationen des Landes, Guowang und Qianfan, sollen in den naechsten sieben bis zehn Jahren 700 bis 800 Starts erfordern. Das ist eine Menge Raketen, und China setzt eindeutig auf Wiederverwendbarkeit, um die Nachfrage zu decken.

Waehrend die USA also mit Starship und New Glenn herumdoktern, ist China damit beschaeftigt, zu landen.