Clever, emotional – und den Hype absolut wert.
Ich konnte ewig keinen Tisch im Skof ergattern: Es war zu voll, zu ausgebucht und viel zu belebt. Es schien, als würde es für mich keine leicht gesetzte Miso-Creme mit Waldhühnchen-Pilzen und Dashi geben. Jersey-Royal-Kartoffeln in Hühnerfett mit eingelegten Walnüssen? Ich konnte sie nur aus der Ferne bewundern. Es war wie Katzenminze: Im Sinne von Groucho Marx möchte ich in jedem Restaurant sein, das mich nicht als Kunden haben will.
Das Skof eröffnete im Mai 2024 in Manchester und hatte bereits im Februar letzten Jahres einen Michelin-Stern – kein Wunder also, dass bei nur 36 Sitzplätzen die Plätze rasant vergehen. Dieses geräumige, ehemalige Stofflager könnte problemlos zwei- oder sogar dreimal so viele Gäste fassen, aber Tom Barnes, früher im L'Enclume im Lake District, ist nicht dieser Art von Koch. Der Name seines Restaurants stammt von seinem Vater Barney, der ihm als Kind eher unsanft sagte, er solle sein Abendessen „scoffen“ (runterschlingen). Was hätte Barney wohl von den kunstvollen, komplexen Snacks seines Jungen gehalten – Bachforelle und goldener Rüben-Tartelettchen oder dicke Bohnen, Hechtrogen und Shiso auf einem Spenwood-Käsekeks? Beide sind übrigens enorm schluckbar. Barney, inzwischen verstorben, wird am Ende jeder Mahlzeit mit seinem Lieblings-Tiramisu geehrt, dazu später mehr.
Das Skof ist wie das L'Enclume eines dieser extrem entspannten, aber dennoch furchtbar schicken Restaurants. Kleiderordnung: Komm, wie du bist. Deo ist ein Segen. Während wir aßen, wechselte die australische Post-Punk-Band Mental As Anything über Sam Fender zu den Arctic Monkeys, aber dann, peng, kamen die ersten beiden richtigen Gänge, jeder kunstvoll und durchdacht: eine weiche, saftige Orkney-Jacobsmuschel mit gegrilltem Kohlrabi und konserviertem Tomatenwasser, gefolgt von jener leicht gesetzten Creme mit Trüffel- und Pilz-Dashi. Stellen Sie sich diese Creme als eine Quichefüllung auf Steroiden vor, für die es sich lohnt, in einer Buffetschlange Leute zu erwürgen.