Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat gewarnt, dass der europäische Automobilsektor vor einem Zusammenbruch der Arbeitsplätze stehen könnte, wenn die Gesellschaft nicht einige 'kühne Entscheidungen' akzeptiert – wie zum Beispiel die Übergabe von Fabriken an ausländische Konkurrenten. Denn nichts sagt 'Arbeitsplätze retten' so sehr wie die Schlüssel an genau die Rivalen zu übergeben, vor denen man sich fürchtet.

Volkswagen bereitet sich darauf vor, bis zu 100.000 Stellenstreichungen vorzuschlagen, ein Schritt, der erwartungsgemäß Proteste ausgelöst hat. Hildegard Müller, VDA-Präsidentin, beklagte, dass 'die Realität die politischen Ziele überholt hat' und dass die Wirtschaftskrise die gesamte europäische Industrie betrifft. Sie schlug vor, deutsche Werke für ausländische Hersteller zu öffnen, um Standorte zu erhalten, und fügte hinzu: 'Jeder Standort, den wir hier halten können, sichert Arbeitsplätze.'

Die Automobilbranche beschäftigt in Deutschland schätzungsweise 3 Millionen Menschen und ist damit das Rückgrat der Wirtschaft. Ein Bericht von Boston Consulting ergab jedoch, dass die europäische Produktionskapazität die Nachfrage um mehr als 5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr übersteigt – das entspricht 35 Produktionsstandorten. Das ist eine Menge unverkaufter Autos.

Volkswagens Sparprogramm zielt darauf ab, bis 2030 bis zu 100.000 Stellen zu streichen – doppelt so viele wie im vorherigen Plan – und könnte die Schließung mehrerer Werke beinhalten. Die Pläne werden am Donnerstag dem VW-Aufsichtsrat vorgelegt, während die Gewerkschaft IG Metall zu einem Aktionstag an allen VW-Standorten aufruft. Laut Die Zeit sind auch Veranstaltungen bei Porsche, Audi und MAN geplant.

Der VDA warnte, dass politische Führungskräfte Fabriken nicht vor Veränderungen abschirmen können und dass das Ignorieren dessen tiefgreifende 'gesellschaftsfeindliche' Konsequenzen hätte. Denn nichts ist so gesellschaftsfreundlich wie Massenarbeitslosigkeit und Ausverkauf an China.