Andrew Neels neue Dokumentation „Wie man einen Diktator füttert“ serviert eine bizarre Mischung aus Food-Porn und moralischer Verdauungsstörung. Knackig ausgeleuchtete Aufnahmen von Hacken, Köcheln, Grillen und Braten – all das kulinarische Sizzle – werden von Überkopf-„Money Shots“ elegant garnierter Gerichte unterbrochen, die etwa als chilenischer Landeseintopf oder ganze Ziege vom Spieß bezeichnet werden, zubereitet für den Gaumen eines ganz bestimmten Kunden. Der Clou? Die Kunden waren Despoten: Pol Pot, Idi Amin, Saddam Hussein, Augusto Pinochet und Kim Jong-il. Charles Otonde Odera bereitete einst ein menschliches Herz „perfekt“ für Amin zu, obwohl er klugerweise nicht fragte, woher das Innerei kam. Neel und Cutter Brad Turner weben Interviews mit diesen Köchen, die sich in unterschiedlichem Maße in Abrede stellen, was ihre Rolle in der repressiven Maschinerie betrifft. Odera ist der klarste Kopf; die Kambodschanerin Keo Samoun behauptet, sie sei erst ein Teenager gewesen, als sie zum Kochen für Pol Pot rekrutiert wurde – doch sie bringt immer noch ein schmackhaftes Mahl zum Grab ihres früheren Arbeitgebers, um seinen Geist zu nähren. Der chilenische Koch Coco Pacheco ist stolz und reuelos, erfreut darüber, dem Mann gefallen zu haben, der Tausende folterte und ermordete. Ermanno Furlanis hingegen bleibt ratlos, dass er für Kim Jong-il Pizza machte, während Millionen Nordkoreaner hungerten. Guten Appetit?