Bruce, ein Kea-Papagei im Willowbank Wildlife Reserve in Neuseeland, verlor seinen Oberschnabel als Jungvogel bei einem Unfall. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, das dominante Männchen in seinem 12-köpfigen 'Zirkus' (9 Männchen, 3 Weibchen) zu werden – eine Leistung, die in einer neuen Studie in Current Biology dokumentiert wurde. Sein Geheimnis? Eine einzigartige Kampfmethode, die Forscher als 'Schnabelturnier' bezeichnen.

Bruce war bereits für seine Einfallsreichtum bekannt. 2021 beobachteten Wissenschaftler des Kea Animal Minds Lab der Universität Auckland, wie er kleine Steinchen zur Gefiederpflege verwendete – ein Verhalten, das er eigenständig erfand, da andere Keas nur mit größeren Steinen spielten und sie nie zur Pflege nutzten. Dieser Beweis für Problemlösungsfähigkeit und potenziell bewussten Werkzeuggebrauch ist der Grund, warum seine Pfleger ihm nie eine Prothese angepasst haben; sie glauben, dass dies ihm Stress bereiten und ihn zwingen würde, seine Anpassungen neu zu erlernen.

Jetzt fordert Bruce die 'Konkurrenztheorie' heraus, die annimmt, dass normalerweise der größere, besser bewaffnete Gegner gewinnt. Über vier Wochen beobachteten die Forscher 162 Interaktionen zwischen Männchen. Bruce war an 36 beteiligt und gewann sie alle, wodurch er seinen Alpha-Status sicherte. Er hatte auch die niedrigsten Stresshormonmetaboliten, priorisierten Zugang zu vier zentralen Futterstationen und war der einzige Vogel, bei dem ein Nicht-Partner Schmutz von seinem Unterschnabel entfernte.

Der Schlüssel zu seinem Erfolg und seiner entspannten Art ist seine Turniertechnik. Auf kurze Distanz stößt er mit dem Hals; aus größerer Entfernung fügt er einen Lauf oder Sprung hinzu. Während andere Männchen meist nach unten auf den Hals eines Gegners beißen, setzt Bruce Vorwärtsstöße ein, die auf Rücken, Kopf, Flügel und Beine zielen. Er tritt mit derselben Häufigkeit wie andere, verwendet aber seinen Halbschnabel viel häufiger.

Es gibt nur zwei vergleichbare Fälle in der wissenschaftlichen Literatur: Ein Schimpanse namens Fabian, der von Jane Goodall beobachtet wurde und nach dem Verlust der Armmuskulatur durch ungewöhnliche Imponiergehabe Beta-Status erreichte, und ein alter Japanmakake, der seinen Alpha-Status durch eine Allianz mit dem Alpha-Weibchen aufrechterhielt. Bruce jedoch erreichte den Alpha-Status allein durch Dominanz.

'Bruce zeigt uns, dass Verhaltensinnovationen helfen können, körperliche Behinderungen zu umgehen, zumindest bei Arten mit der kognitiven Flexibilität, neue Lösungen zu entwickeln', sagte Mitautor Alexander Grabham von der University of Canterbury. Er merkte an, dass die Ergebnisse eine Tierschutzfrage aufwerfen: 'Wenn ein behindertes Tier durch Innovationen erfolgreich sein kann, könnten gut gemeinte Eingriffe wie Prothesen nicht immer seine Lebensqualität verbessern. Manchmal kann das Tier ohne Hilfe besser zurechtkommen.'