Indien hat entschieden, dass die beste Methode zur Spam-Bekämpfung darin besteht, sicherzustellen, dass alle ihre Hausaufgaben teilen. Die Telecom Regulatory Authority of India (TRAI) hat am Freitag ihre Regeln für kommerzielle Kommunikation geändert und verlangt nun von Caller-ID- und Anrufverwaltungs-Apps, die Spam-Meldungen ihrer Nutzer an eine blockchainbasierte Plattform der Telekommunikationsanbieter weiterzugeben. Die Plattform verfolgt kommerzielle Kommunikation und setzt Anti-Spam-Regeln durch.
TRAI sagt, der Schritt werde den Pool der für Maßnahmen verfügbaren Spam-Meldungen erweitern und effektiv die von Apps gesammelten Meldungen mit der Durchsetzungsinfrastruktur der Telekommunikationsbranche verbinden. Truecaller sieht darin jedoch einen „Einweg-Austausch“, der „wettbewerbswidrig“ sei, und argumentiert, dass kommerziell wertvolle Daten von Apps wie der eigenen an Telekommunikationsanbieter übertragen würden. Nichts sagt „faire Wettbewerbsbedingungen“ wie die Übergabe der Nutzerdaten an den Konkurrenten.
Indien ist Truecallers größter Markt und macht weit über 350 Millionen seiner mehr als 500 Millionen monatlich aktiven Nutzer weltweit aus. Das in Stockholm ansässige Unternehmen nutzt Community-Berichte zusammen mit automatischer Erkennung und anderen Signalen, um Spam-Anrufe zu identifizieren und zu blockieren. Im Februar berichtete Truecaller, dass seine Nutzer in Indien im Jahr 2025 etwa 42 Milliarden Spam-Anrufe erlebt hätten, darunter blockierte, gekennzeichnete oder ignorierte Anrufe. Das Unternehmen gab außerdem an, im Laufe des Jahres fast 12 Milliarden Spam-Anrufe blockiert zu haben.
Es ist nicht das erste Mal, dass Truecaller und die indische Regulierungsbehörde über den Umgang mit Spam aneinandergeraten. Das Unternehmen hatte sich zuvor gegen Beschränkungen gewehrt, die Anrufverwaltungs-Apps daran hindern, Anrufe aus bestimmten von der Regierung designated Nummernbereichen automatisch als Spam zu kennzeichnen, und argumentiert, die Ausnahme könne unerwünschte Anrufe durchlassen. Die Änderungen vom Freitag behalten diese Beschränkung bei und verbieten Anrufverwaltungs-Apps das pauschale Blockieren, Filtern oder Spam-Tagging von Anrufen aus designated Nummernserien, die für Werbe-, Service- und Transaktionskommunikation verwendet werden. Einzelne Nutzer können solche Anrufe auf ihren eigenen Geräten weiterhin blockieren, so TRAI.
„Während unsere Daten und die Stimmung der Nutzer eindeutig zeigen, dass Spam aufgrund dieses Freifahrtscheins für Spammer explodiert ist, halten wir uns seit Ende letzten Jahres daran“, sagte ein Truecaller-Sprecher. Übersetzung: Wir sind nicht glücklich, aber wir gehen dafür nicht ins Gefängnis.
Sumeysh Srivastava, Partner bei der in Neu-Delhi ansässigen Beratungsfirma The Quantum Hub, der dort die telekommunikationspolitische Arbeit leitet, sagte, die jüngste Änderung überbrücke zwei unterschiedliche Ebenen: Telekommunikationsanbieter stellen das zugrunde liegende Netzwerk bereit und betreiben das blockchainbasierte Anti-Spam-System, während Caller-ID-Apps auf dem Netzwerk aufsetzen, um Anrufe zu identifizieren und zu filtern. Das werfe technische und jurisdiktionelle Fragen auf, sagte Srivastava gegenüber TechCrunch, darunter, welchen Melde-Standards Apps folgen müssten und wie die Anforderung gegenüber Unternehmen durchgesetzt werde, die selbst keine Telekommunikationsanbieter seien.
Ein Entwurf vom März schlug vor, Indiens IT-Gesetze zur Durchsetzung der Anforderung zu nutzen. Srivastava wies jedoch darauf hin, dass die neue Ankündigung nicht sage, ob dieser Durchsetzungsmechanismus in den endgültigen Regeln beibehalten wurde. Es sei auch unklar, wie viele Informationen die Apps tatsächlich bereitstellen müssten. Kazim Rizvi, Gründungsdirektor des in Neu-Delhi ansässigen Politik-Thinktanks The Dialogue, sagte gegenüber TechCrunch, dass die Anforderung an eine App, eine bestimmte von einem Nutzer gemachte Spam-Meldung zu übermitteln, sich wesentlich davon unterscheide, sie zur Weitergabe der breiteren Datensätze, Reputationssignale oder Analysesysteme zu verpflichten, die sie zur Identifizierung verdächtiger Anrufe nutze. Die Regeln müssten Klarheit darüber schaffen, welche Informationen übermittelt werden müssten, wie Nutzer benachrichtigt oder um Zustimmung gebeten würden und wie diese Daten anschließend gespeichert und verwendet werden dürften, sagte Rizvi.
TRAI antwortete nicht auf die Fragen von TechCrunch, welche Informationen Apps teilen müssten und ob die Regel auch für Spam-Meldefunktionen gelten würde, die in Smartphone-Betriebssystemen und Dialern wie Android und iOS integriert sind.
Die Änderungen befassen sich auch mit der wachsenden Nutzung von Software- und KI-Sprachagenten für Anrufe. Anruf