Carla Cressy begann ihre Karriere als Model im Alter von fünf Jahren, aber mit 17 brach sie ständig bei Shootings zusammen. Der Übeltäter war kein dramatischer Abgang vom Laufsteg, sondern Endometriose – eine Erkrankung, deren Diagnose die Ärzte 12 Jahre brauchten, wobei sie hilfsweise ihren Blinddarm entfernten. „Ich wurde mehrmals wegen chronischer Verstopfung ins Krankenhaus eingeliefert“, sagt sie. „Mir wurde immer gesagt, es sei ein Magen-Darm-Infekt.“

Carla ist bei weitem nicht allein. Schätzungsweise eine von sechs Frauen mit Endometriose verlässt den Arbeitsplatz aufgrund der Erkrankung, bei der gebärmutterähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Derzeit gibt es in Großbritannien keine Gesetzgebung, die Arbeitnehmer mit menstruationsbedingten Gesundheitsproblemen schützt, die eine Auszeit benötigen. Also ließ sich Carla zur Kosmetikerin umschulen und nahm zwischen den Kunden heiße Bäder, um die Schmerzen zu lindern. „Es war schrecklich, aber es war die einzige Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt die 35-Jährige aus Essex.

Abi Smith, 27, wurde im Alter von 10 Jahren wegen Beckenschmerzen ein Joghurt für die Darmgesundheit verschrieben. Als ihre Periode einsetzte, waren die Schmerzen so schlimm, dass sie sich fühlte, „als würde ich sterben“. Sie arbeitete gebeugt bei der Post und erbrach sich in Mülleimer. Mit 21 diagnostiziert, durchläuft sie nun ihre dritte medizinisch herbeigeführte Menopause, um die Schmerzen zu lindern. Ihre Erwerbsminderungsrente wurde dreimal abgelehnt. „Ich bin durch all das zu einer sehr verbitterten Person geworden“, sagt sie.

Die Psychotherapeutin Dr. Sula Windgassen stellt fest, dass Frauen mit Endometriose oft gesagt wird, es sei „alles nur Einbildung“. Sie erforscht medizinisches Gaslighting und sagt, dass abweisende Behandlung zu schlechteren gesundheitlichen Ergebnissen führt. Monica Thomas, 34, musste Jahre auf eine Diagnose warten; die Erkrankung hat sich inzwischen auf ihre Lunge ausgebreitet und erfordert eine Operation. Sie gründete die Wohltätigkeitsorganisation Women's Health Hope, die nächsten Monat ein Zentrum in Ipswich eröffnet. „In einer aktuellen Studie fühlten sich 84 % der Frauen von medizinischem Fachpersonal nicht gehört“, sagt sie. „Ihnen einen Ort zu geben, an dem sie sich gehört fühlen können … das war eine Selbstverständlichkeit.“

Der NHS sagt, Ärzte sollten die NICE-Richtlinien befolgen und dass Frauengesundheitszentren in den meisten Gebieten verfügbar seien. Denn klar, Richtlinien und Zentren sind alles, was nötig ist, um ein systemisches Versagen zu beheben, das Frauen dazu bringt, Karrieren aufzugeben, Organe zu verlieren und gesagt zu bekommen, sie sollten Joghurt essen.