Es stellt sich heraus, dass die Sonne schon immer ein kleiner Unruhestifter war, und wir haben die Baumringe, um das zu beweisen. Forscher des Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) haben 800 Jahre alte Baumringe mit dem Tagebuch eines mittelalterlichen Dichters kombiniert, um ein solares Protonenereignis (SPE) aufzudecken, das wahrscheinlich zwischen dem Winter 1200 n. Chr. und dem Frühjahr 1201 n. Chr. stattfand. Die im Proceedings of the Japan Academy, Series B veröffentlichten Ergebnisse erinnern uns daran, dass sich das gewalttätige Temperament der Sonne nicht wesentlich geändert hat – nur dass wir jetzt Satelliten haben, um die wir uns sorgen müssen.

Solare Protonenereignisse sind die Art der Sonne zu sagen: „Ich werde deinen Tag ruinieren“, indem sie geladene Teilchen mit bis zu 90 % der Lichtgeschwindigkeit zur Erde schleudert. 1972 ereigneten sich solche Eruptionen zwischen den Apollo-16- und Apollo-17-Missionen – eine Exposition während eines Mondspaziergangs wäre tödlich gewesen. Da die Raumfahrtbehörden die zukünftige Monderkundung vorbereiten, ist das Verständnis dieser unberechenbaren Wutanfälle zu einer Priorität geworden.

Professor Hiroko Miyahara und ihr Team verwendeten ultrapräzise Kohlenstoff-14-Messungen von vergrabenen Asunaro-Bäumen in Nordjapan, die mit historischen Aufzeichnungen abgeglichen wurden, darunter das Meigetsuki-Tagebuch des Dichters und Höflings Fujiwara no Teika. Im Februar 1204 n. Chr. notierte Teika „rote Lichter am nördlichen Himmel über Kyoto“ – ein Hinweis, der half, die Suche einzugrenzen. Die Methode des Teams kann kleinere „sub-extreme“ SPEs erkennen – etwa 10–30 % der Größe der extremsten Ereignisse – die zuvor unsichtbar waren. „Unsere Arbeit liefert eine Grundlage für die Erkennung sub-extremer SPEs“, sagte Miyahara, „die schwieriger zu erkennen, aber dennoch gefährlich sind.“

Die Kohlenstoff-14-Spitzen im alten Holz deuteten auf ein Sonnenereignis hin, das mit chinesischen Aufzeichnungen einer roten Aurora in ungewöhnlich niedrigen Breiten zusammenfiel. Die hochpräzisen Daten zeigten auch, dass der Sonnenaktivitätszyklus damals nur sieben bis acht Jahre lang war, verglichen mit dem modernen elfjährigen Zyklus – was bedeutet, dass die Sonne ein besonders energiereiches Jahrtausend hatte. „Historische Literatur bietet ein Kandidatenzeitfenster“, fügte Miyahara hinzu, „und die Dendroklimatologie ermöglicht einen direkten Vergleich zwischen erkannten SPEs und Berichten über Sonnenflecken und Polarlichter.“ Offenbar fallen einige anhaltende Polarlichter in niedrigen Breiten in der Literatur nahe das Minimum des rekonstruierten Sonnenzyklus – ein unerwarteter Befund, der das Team „gespannt darauf macht, weiter zu forschen“. Denn nichts sagt Aufregung wie eine potenzielle Strahlenapokalypse.