Eine Passagierfähre in der Javasee hat das getan, was Fähren in Indonesien offenbar mit alarmierender Regelmäßigkeit tun: Sie ist verschwunden, hat Wasser aufgenommen und die Behörden in Aufruhr versetzt. Sechs Menschen sind tot und 97 wurden von der havarierten Virgo Transport 8 gerettet, so die indonesische Such- und Rettungsbehörde. Die Suche nach den übrigen Passagieren läuft weiter, was eine diplomatische Umschreibung dafür ist, dass noch immer eine ganze Menge Leute nicht auffindbar sind.

Die Fähre hatte 243 Menschen an Bord, als der Kontakt abbrach, nachdem sie in schlechtes Wetter geraten war. Sie war von Surabaya in die südkalimantanische Stadt Banjarmasin unterwegs und befand sich laut letzten Meldungen gegen 02:00 Uhr Ortszeit am Sonntag (18:00 GMT am Samstag) etwa 150 km (93 Meilen) südlich von Banjarmasin. Die Behörden erhielten den ersten Notruf um 04:10 Uhr vom Betreiber des Schiffes, PT Virgo. Die Fähre verließ Surabaya am Samstag um 10:33 Uhr und sollte am Sonntag um 14:00 Uhr in Banjarmasin ankommen, so Daten zweier maritimer Überwachungsseiten.

Eine gemeinsame Einsatzgruppe aus der indonesischen Such- und Rettungsbehörde, der Marine, der Seepolizei und anderen Beteiligten wurde für die Rettungsaktion eingerichtet. Schiffe und ein Hubschrauber wurden an die Unglücksstelle entsandt, und alle anderen Schiffe in diesem Gebiet der Javasee wurden alarmiert, Hinweise auf Passagiere zu melden. Ein Operationsposten zur Abwicklung des Unglücks wurde am Sonntagmorgen im Bereich des Trisakti-Hafens eingerichtet.

Rusmilawati, eine Anwohnerin von Banjarmasin, ging zum Hafen, um Informationen über acht Verwandte zu erhalten, die Passagiere auf dem Schiff waren. Sie waren auf dem Rückweg nach Banjarmasin, nachdem sie die Gräber mehrerer islamischer Gelehrter in Java besucht hatten. „Sie sind zunächst hingeflogen, aber für die Rückreise wollten sie es mit einer Schifffahrt versuchen“, sagte sie gegenüber BBC Indonesia. Bis zum Sonntagnachmittag Ortszeit habe sie keine Informationen von Beamten darüber erhalten, ob ihre Verwandten gerettet worden seien, sagte Rusmilawati. Die Familie habe zuletzt über einen WhatsApp-Status von einem der Verwandten gehört. In dem Beitrag schrieb der Verwandte: „Die Wellen sind heute Nacht wirklich furchteinflößend. Oder ist das einfach normal, wenn man mit dem Schiff fährt, wie es schaukelt und gegen die Wellen kracht?“ „Hoffentlich sind sie sicher“, sagte Rusmilawati.

Unterdessen brach Misnah in Tränen aus, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Ehemann Ahmad Supandi überlebt hatte. Ahmad, ein Frachtfahrer, war an Bord der Virgo Transport 8 gewesen und später von dem Schiff MV Haida gerettet worden. Am Tanjung-Perak-Hafen in Surabaya suchten auch Angehörige von Besatzungsmitgliedern nach Informationen über ihre Lieben. Ein Verwandter, Fredy, sagte, sein jüngstes Geschwister, Stevie Manuhua, habe als Keyboarder auf dem Schiff gearbeitet und Passagiere unterhalten. „Wir haben vor zwei Tagen gesprochen, als das Schiff in Surabaya am Kai lag. Danach gab es bis jetzt keine Nachrichten“, sagte Fredy. Er sagte, er habe noch immer keine Informationen über den Aufenthaltsort seines Geschwisters erhalten.

Der Vorfall ereignet sich, nachdem eine andere Fähre in Indonesien letzten Monat vor der Insel Madura Feuer gefangen hatte und fünf Menschen starben. Denn nichts sagt „maritime Sicherheit“ wie eine Wiederholungsvorstellung. Der indonesische Archipel hat mehr als 17.000 Inseln, und Fähren sind ein übliches Verkehrsmittel, was eine höfliche Umschreibung dafür ist, dass man bei so vielen Inseln nicht viel Wahl hat.