In einer Aktion, die absolut niemanden überraschen wird, hat das Hubble-Weltraumteleskop der NASA mal wieder sein Objektiv auf etwas Schönes gerichtet und ein Bild veröffentlicht, das den Rest von uns zutiefst an unseren eigenen fotografischen Fähigkeiten zweifeln lässt. Das neueste Motiv ist NGC 3137, eine Spiralgalaxie in 53 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Antlia – lateinisch für „die Luftpumpe“, weil die Astronomen anscheinend keine mythologischen Figuren mehr hatten und anfingen, Dinge nach Haushaltsgeräten zu benennen.

NGC 3137 ist für Astronomen besonders interessant, weil sie mit einer Gruppe von Galaxien durchs All reist, die der Lokalen Gruppe ähnelt – der Galaxiengruppe, zu der unsere Milchstraße gehört. Stellen Sie sich eine kosmische Nachbarschaft vor, die unserer sehr ähnlich sieht, nur mit weniger fragwürdigen Eigentümergemeinschaften. Die NGC 3175-Gruppe enthält zwei große Spiralgalaxien – NGC 3137 und NGC 3175 (die Hubble ebenfalls beobachtet hat, weil Hubble überall herumkommt) – sowie eine Reihe kleinerer Zwerggalaxien. Forscher haben in dieser Gruppe mehr als 500 Kandidaten für Zwerggalaxien gefunden, sind sich aber noch nicht sicher, wie viele es insgesamt gibt. Durch die Untersuchung dieser nahen Galaxiengruppe können Astronomen die Dynamik unserer eigenen galaktischen Heimat verstehen, was viel billiger ist, als tatsächlich das Sonnensystem zu verlassen.

NGC 3137 wird von Hubble dank Beobachtungen in sechs verschiedenen Farbbändern in fantastischen Details gezeigt. Das Zentrum der Galaxie, umgeben von einem Netz feiner, staubiger Wolken, beherbergt ein Schwarzes Loch, das schätzungsweise 60 Millionen Mal massereicher ist als die Sonne. Das sind 60 Millionen Sonnenmassen, die einfach nur dasitzen und gravitativ fordernd sind. Die Galaxie ist aus unserer Sicht stark geneigt, was eine einzigartige Perspektive auf ihre lockere, federartige Spiralstruktur bietet. Ein paar photobombende Milchstraßensterne und eine Handvoll weit entfernterer Hintergrundgalaxien vervollständigen das Bild, denn selbst im Weltall muss immer jemand das Foto ruinieren.

So atemberaubend jedes dieser Merkmale auch sein mag, die brillanten Sternhaufen der Galaxie stehlen die Show. Die Galaxie ist übersät mit dichten Haufen hellblauer Sterne und leuchtend roter Gaswolken, die auf heiße, junge Sterne hinweisen, die noch in ihren Geburtsnebeln eingehüllt sind. Diese Sternhaufen sind es, die Hubbles scharfes Auge angezogen haben, denn die Forscher nutzen das Teleskop für ein Beobachtungsprogramm (#17502; PI: D. Thilker), das sich auf Sternhaufen in 55 nahen Galaxien konzentriert. Die Daten werden Astronomen helfen, Sternhaufen und ihre leuchtenden Nebel zu identifizieren und so das Alter von Sternen in Galaxien wie NGC 3137 zu messen. Es ist im Wesentlichen eine kosmische Rentnerheim-Volkszählung, aber für Sterne.

Die Beobachtungen sind Teil des PHANGS-HST-Programms (Physics at High Angular Resolution in Nearby Galaxies), einer größeren Anstrengung, die Daten von Hubble, dem NASA/ESA/CSA James Webb Space Telescope und dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) kombiniert. Zusammen bieten Hubbles leistungsstarke optische und ultraviolette Fähigkeiten, Webbs empfindliche Infrarotaugen und ALMAs breites Netzwerk von Radioschüsseln einen unvergleichlichen Blick auf die Sternentstehung im lokalen Universum. Denn ein Teleskop ist nie genug, wenn man verstehen will, warum das Universum ständig so viele Sterne macht.