WASHINGTON – In einem Schritt, der sich wie die Handlung eines Low-Budget-Science-Fiction-Films anhört, aber eigentlich nur ein Dienstag in der Raumfahrtindustrie ist, hat HEO, ein australisches Unternehmen, das Erdbeobachtungssatelliten nutzt, um andere Raumfahrzeuge zu fotografieren, einen Vertrag mit Planet abgeschlossen, um sich deren Satelliten für ein wenig himmlische Paparazzi-Arbeit auszuleihen.
Die beiden Unternehmen gaben die Partnerschaft am 17. August bekannt, im Rahmen derer HEO die hochauflösenden Satelliten SkySat von Planet für die sogenannte Non-Earth Imaging (NEI) nutzen kann – weil 'Spionage auf andere Satelliten' offenbar zu sehr nach Geheimdienst klingt. Finanzielle Bedingungen wurden nicht bekannt gegeben, was auf Deutsch so viel heißt wie 'wir sagen es euch nicht, und ihr könnt uns nicht zwingen'.
Zunächst wird die SkySat-NEI-Bildgebung nur für HEOs US-Regierungskunden verfügbar sein. Denn nichts sagt 'kommerzielle Raumfahrtinnovation' wie 'ausschließlich für Spionageagenturen'. Jon Powers, General Manager von Planet Federal, verkaufte es als Reaktion auf 'zunehmende Forderungen nach der Notwendigkeit, potenziell bösartige Aktivitäten im Weltraum aus dem Weltraum zu erkennen und zu charakterisieren'. Übersetzung: Jemand macht sich Sorgen um Weltraumschrott mit bösen Absichten und will eine bessere Sicht.
Mit SkySat im Angebot hat HEO nun Zugang zu mehr als 50 Sensoren im Orbit, hauptsächlich von anderen Erdbeobachtungsunternehmen. Will Crowe, CEO von HEO, erklärte die Philosophie des Unternehmens: 'Wir brauchen keine riesigen, teuren Satelliten, um die Non-Earth-Imaging-Mission durchzuführen... Man braucht nur Kameras zur richtigen Zeit am richtigen Ort.' Es ist also wie ein kosmisches Wo-ist-Walter-Spiel, aber mit millionenschwerer Hardware.
Der Ansatz erfordert 'eine Vielfalt an Sensoren und eine Vielfalt an Umlaufbahnen', sagte Crowe, was die Chancen erhöht, eine Kamera am richtigen Ort zu haben, um ein Objekt von Interesse zu knipsen. Die Beschränkung auf die US-Regierung ist auf Lizenzprobleme zurückzuführen, aber Crowe scheint nicht allzu beunruhigt zu sein: Etwa 90 % des Geschäfts von HEO stammen ohnehin von Regierungskunden. 'Wir konzentrieren uns auf den Regierungskunden, weil sie wissen, was das ist, sie wissen, warum es wichtig ist', sagte er und fügte hinzu, dass das kommerzielle Interesse wachse, aber 'noch in den Kinderschuhen stecke'.
HEO hat NEI bereits eingesetzt, um Satelliten zu identifizieren, die in Clustern bei Rideshare-Starts ausgesetzt wurden, und um einen defekten SpaceX-Starlink-Satelliten zu untersuchen, der taumelte, aber nicht kaputt war. Denn anscheinend fallen im Weltraum die Dinge auseinander – aber manchmal drehen sie sich nur.
HEO hat auch seinen ersten Satelliten, Continuum-1, Anfang dieses Jahres erworben. Gebaut von Satellogic und vor drei Jahren als NewSat-34 gestartet, hat er 'erstaunliche Dinge getan', sagte Crowe. Er ermöglicht es HEO, von der Beauftragung (Aufnahme von Bildern auf Abruf) zur regelmäßigen Überwachung überzugehen und das Unternehmen in 'ein eher diagnostisches Werkzeug' zu verwandeln, das Vorher-Nachher-Bilder von Weltraumvorfällen vergleichen kann. Man stelle es sich als Wellness-Check für Satelliten vor.
Kürzlich kündigte HEO Pläne an, Continuum-1 für Rendezvous- und Annäherungsmanöver zu nutzen, indem es sich innerhalb von zig Kilometern an einen ausgedienten Raketenkörper in niedriger Erdumlaufbahn heranmanövriert. Wenn das gelingt, würde es zeigen, wie solche Manöver eine kontinuierlichere Bildgebung ermöglichen könnten. Crowe staunte über die Zweckentfremdung eines Raumfahrzeugs für Aufgaben, für die es nicht gedacht war: 'Es ist wirklich erstaunlich, ein Raumfahrzeug zu nutzen, das nicht für diesen Zweck gedacht war, und es dann umzufunktionieren, um ziemlich erstaunliche Dinge zu tun.' Das ist die Weltraumversion davon, einen Toaster in einen Türstopper zu verwandeln – nur dass der Toaster Millionen gekostet hat und die Erde umkreist.
'Dorthin müssen wir als Industrie gehen: wirklich über die Bedürfnisse des Kunden nachdenken und sicherstellen, dass wir Dinge liefern, die ihre Probleme lösen können', sagte Crowe. Oder, wie es die Geheimdienstgemeinschaft formulieren würde: 'Wir müssen Dinge wissen, und wir müssen sie jetzt wissen.'