Ein mikrobiologisches Laborpraktikum an einer Hochschule entwickelte sich von einer lehrreichen Übung zu einem ausgewachsenen Gesundheitsnotstand, als jeder einzelne Student einen harmlosen Keim als tödlichen Erreger identifizierte. Die Folge: 32 Personen begannen mit vorbeugenden Antibiotika, zwei bekamen eine Lumbalpunktion und alle lernten eine wertvolle Lektion über Gefrierorganisation.

Die Probleme begannen, als die Studenten unbekannte Bakterien zur Identifizierung erhielten. Sie sollten Plesiomonas shigelloides finden, einen gewöhnlichen, harmlosen Keim, der meist nur Durchfall verursacht. Stattdessen identifizierte jeder Student die Probe selbstbewusst als Neisseria meningitidis, ein Bakterium, das lebensbedrohliche Meningitis und Blutvergiftung verursacht. Die Dozenten überprüften die Arbeit der Studenten und konnten keinen Fehler finden – die biochemischen Tests deuteten alle auf den gefährlichen Erreger hin.

Panik brach aus. Die Universitätsverwaltung entdeckte, dass der Gefrierschrank im Lagerraum, der die harmlosen Bakterien enthielt, auch ein Fläschchen mit der Aufschrift N. meningitidis beherbergte. Sie stellten fest, dass 33 Personen – Studenten, Professoren und Laborangestellte – potenziell exponiert waren. Da N. meningitidis über Aerosole übertragen werden kann und die Studenten nur Handschuhe und Laborkittel trugen, keine Sicherheitswerkbänke, empfahlen die Gesundheitsbehörden allen, eine 10-tägige Kur mit vorbeugenden Antibiotika zu beginnen. Bis auf eine Person kamen alle nach. Zwei Personen, die Kopfschmerzen entwickelten, bekamen Lumbalpunktionen, um eine Infektion auszuschließen.

Tage später führte das staatliche Gesundheitslabor Massenspektrometrie und Ganzgenomsequenzierung an den mysteriösen Bakterien durch. Das Urteil: Es handelte sich um N. sicca, einen harmlosen Verwandten von N. meningitidis. Die Verwirrung entstand, weil dieser spezielle Stamm ein „atypischer Kohlenhydratfermentierer“ war, das heißt, er verhielt sich in den Standardtests wie der gefährliche Keim – und jemand hatte offenbar vor Jahren das Fläschchen im Gefrierschrank falsch etikettiert.

Eine Untersuchung ergab „unzureichende Bestandskontrollen“ und „begrenzte Aufsicht über die Lagermitarbeiter“ sowie andere Mängel. Die Universität hat ihre Protokolle seitdem überarbeitet. Obwohl also niemand tatsächlich krank wurde, bekamen 32 Personen eine Antibiotikakur, die sie nicht brauchten, zwei unnötige Lumbalpunktionen und jeder eine Geschichte, die zukünftige Laborkurse zweimal nachdenken lässt, bevor sie voreilige Schlüsse ziehen.