Die ESA-Mission Mars Express beleuchtet diesen Monat das Shalbatana Vallis, ein enormes Mars-Tal, das eine sehr ereignisreiche Vergangenheit mit Wasser, Vulkanen, Einschlagkratern und einem ernsthaften Fall von Oberflächenkollaps zu haben scheint. Das Tal liegt in der Nähe des Mars-Äquators und erstreckt sich über rund 1.300 Kilometer – etwa die Länge Italiens, wenn Italien ein trockener, staubiger Graben auf einem anderen Planeten wäre.
Das neueste Bild der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) des Raumfahrzeugs konzentriert sich auf den nördlichen Abschnitt des Tals, während es sich durch die Landschaft schlängelt. Im Oktober 2025 veröffentlichte Mars Express auch eine Videotour durch diese Region, die das Tal von seiner Quelle im Hochland von Xanthe Terra bis zu seinem Endpunkt im glatteren Gelände von Chryse Planitia verfolgt – vermutlich mit einem dramatischen Soundtrack.
Wissenschaftler glauben, dass das Shalbatana Vallis vor etwa 3,5 Milliarden Jahren entstand, nachdem riesige Mengen Grundwasser an die Oberfläche brachen und Überschwemmungen verursachten, die die Landschaft aufrissen und tiefe Kanäle formten. Das Haupttal im Bild ist etwa 10 Kilometer breit und erreicht Tiefen von rund 500 Metern – Merkmale, die in der begleitenden topografischen Ansicht besonders deutlich sind, denn nichts sagt „antike Katastrophe“ wie eine gute Topo-Karte.
Forscher vermuten, dass das Tal einst noch tiefer war, aber über Milliarden von Jahren mit verschiedenen Materialien aufgefüllt wurde. Ein besonders auffälliger blau-schwarzer Fleck im raueren Abschnitt wird als vulkanische Asche interpretiert, die durch Mars-Winde umverteilt wurde, wie in den begleitenden 3D-Perspektivansichten zu sehen ist. Also hatte der Mars im Grunde Vulkane, Überschwemmungen und Wind – der chaotische Mitbewohner der Erde.
Hinweise auf Wasser, Lava und einen möglichen antiken Ozean
Das Shalbatana Vallis ist einer von vielen Abflusskanälen in diesem Teil des Mars und markiert den Übergang zwischen den stark verkraterten südlichen Hochländern und den glatteren nördlichen Tiefebenen. In der Nähe liegt Chryse Planitia, eine der tiefsten Regionen des Mars, wo viele große Abflusskanäle enden. Einige Wissenschaftler vermuten, dass das Gebiet während einer wärmeren und feuchteren Periode in der Marsgeschichte einen großen Ozean enthalten haben könnte – denn wenn man schon einen Ozean hat, kann man ihn auch gleich unten hinstellen.
Die Umgebung des Shalbatana Vallis enthält viele weitere geologische Merkmale, darunter chaotisches Terrain – Landschaften voller zerbrochener Blöcke, Grate und unregelmäßiger Felshügel. Wissenschaftler glauben, dass dieses Terrain entstand, als unterirdisches Eis zu schmelzen begann, was dazu führte, dass der Boden darüber sich verschob und einstürzte. Ähnliche chaotische Landschaften wurden von Mars Express in Gebieten wie Pyrrhae Regio, Iani Chaos, Ariadnes Colles, Aram Chaos und Hydraotes Chaos beobachtet – Namen, die wie der Tourplan einer Death-Metal-Band klingen.
Zahlreiche Einschlagkrater sind ebenfalls in der gesamten Region sichtbar, einige scharf abgegrenzt, andere teilweise begraben oder erodiert. Mehrere sind von Auswurfdecken umgeben – Trümmer, die bei Einschlägen nach außen geschleudert wurden. Das glattere Erscheinungsbild eines Großteils des Geländes deutet darauf hin, dass einst Lava über die Region floss, abkühlte und sich zusammenzog, um „Faltenrücken“ und isolierte Hügel namens „Mesas“ zu bilden. Nur ein weiterer Tag auf einem Planeten mit einer gewalttätigen Vergangenheit.
Mehr als zwei Jahrzehnte Marserkundung
Das Bild wurde von der HRSC-Kamera aufgenommen, einem von acht wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Mars Express. Seit dem Start im Jahr 2003 hat das Raumfahrzeug mehr als 20 Jahre damit verbracht, den Roten Planeten zu untersuchen und seine Oberfläche in Farbe und in drei Dimensionen mit beispielloser Detailgenauigkeit zu kartieren. Die von Mars Express gesammelten Daten haben das Verständnis der Wissenschaftler für den Mars und seine geologische Geschichte erheblich erweitert – und bewiesen, dass man eine Menge lernt, wenn man zwei Jahrzehnte lang eine wirklich gute Kamera auf einen toten Planeten richtet.
Die Mars Express HRSC wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und wird von ihm betrieben, mit Kameradatenverarbeitung am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. Forscher der Arbeitsgruppe Planetologie und Fernerkundung an der Freien Universität Berlin nutzten die Daten, um die hier gezeigten Bildprodukte zu erstellen.