Es gibt eine weltweite Knappheit an Naturkautschuk, und – haltet euch fest – Löwenzahn wird erneut zum Dienst eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs griffen die Alliierten auf den Russischen Löwenzahn, Taraxacum koksaghyz, aus Kasachstan zurück, nachdem sowjetische Wissenschaftler entdeckt hatten, dass seine Wurzeln genug weißen Milchsaft produzieren, um Naturkautschuk herzustellen. Doch als der Krieg endete, kehrten die Produzenten zu ihrer alten Flamme, dem Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), zurück, und der Löwenzahn wurde unsanft fallen gelassen.
Vorspulen in die Gegenwart: Dem Kautschukbaum geht es schlecht – Pilzkrankheiten breiten sich aus, extremes Wetter durch die Klimakrise fordert seinen Tribut, und die globale Nachfrage nach Kautschuk steigt weiter. Also werfen Wissenschaftler einen zweiten Blick auf den Löwenzahn. Bonus: Diese Pflanzen gedeihen in gemäßigten Klimazonen, brauchen keine Pestizide oder viel Wasser und verursachen keine Abholzung wie tropische Kautschukplantagen.
In Norwich entwickelt eine Biotech-Partnerschaft nun einen ertragreichen Russischen Löwenzahn mit großen, schnell wachsenden Wurzeln, der in Gewächshäusern ohne Erde mit einem Nebelluftsystem angebaut wird. Ihr Ziel: etwa 3.000 Tonnen Kautschuk pro Jahr produzieren. In Deutschland wurden derweil bereits Fahrradreifen aus Löwenzahn hergestellt, der auf erhöhten Latexgehalt gezüchtet wurde. Na, Kautschukbaum, was sagst du jetzt?