Glyndebournes 'L'Orfeo': William Kentridge macht das 'Zeichnen' zum 'Überwältigenden'
William Kentridges Glyndebourne-Debüt verwandelt Monteverdis Orpheus in eine cartoonhafte, symbolbeladene Sinnesüberflutung, die entweder berauschend oder erschöpfend ist – wahrscheinlich beides.
Glyndebournes erste Inszenierung von Monteverdis L'Orfeo ist ein visueller Wirbelsturm, der einen glatt vergessen lässt, dass hier eine Oper stattfindet. Regie führt William Kentridge, das Bühnenbild stammt von Sabine Theunissen: Die Inszenierung spielt in einem Künstleratelier und ist vollgestopft mit Gegenständen – Leitern, Stühle, Skizzenbücher, eine Schreibtischlampe aus der Mitte des Jahrhunderts, eichenblattförmige Plakate, Ziehharmonikas aus buntem Karton, große Papierbögen mit Kentridges eigenen Arbeiten und ein überdimensionaler Metallkegel als Sprachrohr. Die Rückwand ist eine ununterbrochene Videoprojektion (gestaltet von Janus Fouché) mit Kentridges animierten Kohlezeichnungen, kommentierten Archivdokumenten und fragmentarischen Sätzen, die schon vor der ersten Note läuft und nie nachlässt.
Die kumulative Wirkung ist überwältigend – besonders wenn man versucht, die Übertitel zu lesen. Manchen mag die visuelle Geschäftigkeit frustrieren, ihre Symbolik rätselhaft erscheinen (obwohl uns die wiederholten Telefone und die Karte von Johannesburg weiterhin ratlos lassen). Einige Szenen wirken, als solle der animierte Wirbelwind das dramatische Defizit der Sänger ausgleichen. Aber an anderen Stellen gelingt die Verbindung von Bühne und Leinwand: Die Musik (die auch Eurydikes minimale Zeilen singt) malt während der gesamten Aufführung an einem Schreibtisch, als würde sie die Projektionen selbst erzeugen. Eurydike hat eine tanzende Entsprechung in Roseline Wilkens, die auf der Bühne fesselt und als animierte Skizze über die Projektionen wirbelt. Es ist etwas Erhebendes an einer Produktion, die so entschlossen dem Orpheus-Mythos mit seiner eigenen Besessenheit von sensorischer Überflutung nacheifert – von der Musik, die Orpheus in die Unterwelt hilft, bis zur Tatsache, dass die endgültige Katastrophe durch einen einzigen verzweifelten Blick ausgelöst wird. Im Orchestergraben sorgen Jonathan Cohen und das Orchestra of the Age of Enlightenment für Licht und Schatten und bieten eine willkommene Erholung für die Augen.
The Good Times
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