Deutschland zu Arbeitnehmern: Schnupfen? Hol dir gefälligst eine Krankschreibung – persönlich, bitte
Deutschland verlangt von Arbeitnehmern ab sofort ein ärztliches Attest ab dem ersten Krankheitstag – persönlich vorgelegt, weil man den Bürgern offenbar keine Erkältung ohne offizielle Bescheinigung zutraut.
Die deutsche Koalitionsregierung hat eine lebhafte öffentliche Debatte entfacht, indem sie ankündigte, dass Arbeitnehmer bald schon am ersten Tag ihrer Krankmeldung ein ärztliches Attest vorlegen müssen – statt der bisherigen großzügigen Regelung, die bis zum vierten Tag wartet. Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Krankenstandsstatistiken der Nation mit der Besorgnis eines Anlegers betrachtet, dessen Aktienportfolio abstürzt, erklärte: „Die Zahl der Krankheitstage in Deutschland ist zu hoch.“
Nach den neuen Regeln wird auch die pandemiebedingte Bequemlichkeit, eine Krankschreibung telefonisch zu erhalten, abgeschafft. Die wirklich Kranken müssen sich nun in eine Arztpraxis schleppen, nur um ein Stück Papier zu bekommen, das bestätigt, was sie bereits wissen. Der Plan, ausgeheckt von Merz‘ CDU und dem Koalitionspartner SPD, zielt darauf ab, das vom Kanzler als „exorbitant“ bezeichnete Krankenstandsniveau nach der Pandemie zu senken. Deutschland kehre, so Merz, „zu den Regelungen zurück, die wir vor der Coronavirus-Pandemie hatten.“
Medizinische Verbände sind nicht amüsiert. Die KBV, die die Vertragsärzte vertritt, gab eine Stellungnahme ab, in der sie den Plan als „grenzt an Wahnsinn“ bezeichnete und argumentierte: „Wer hustet oder eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – nicht in eine überfüllte Praxis.“ Der Hausärzteverband pflichtete bei und warnte, dass die Wartezimmer mit milden Fällen gefüllt würden, die zuvor nur ein oder zwei Tage Bettruhe erfordert hätten.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) versuchte, die Wogen zu glätten, und sagte dem RTL-Fernsehen, er suche nach „tragfähigen Lösungen“. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erklärte, sie werde untersuchen, ob die Anforderung tatsächlich den Krankenstand senkt oder nur mehr Papierkram verursacht. Unterdessen verteidigte CDU-Fraktionschef Jens Spahn den Plan und wies darauf hin, dass die Krankenstandsrate Deutschlands zu den höchsten in der EU gehört – rund 18 Tage pro Arbeitnehmer und Jahr. „Wer wirklich krank ist, soll selbstverständlich zu Hause bleiben können“, fügte er hinzu, vermutlich mit ernster Miene.
Die Änderungen sind Teil breiterer Steuer-, Arbeits- und Rentenreformen zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft. Denn nichts sagt Wirtschaftsbelebung so sehr wie Menschen mit Grippe, die sich anziehen und zum Arzt gehen müssen.
The Good Times
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