Hollie Allan, 29, hat die letzten zwei Monate auf der Intensivstation des King's College Hospital im Süden Londons verbracht – das sind etwa 60 Tage Neonlicht, piepsende Maschinen und absolut null frische Luft. Als Krankenschwestern ihr Bett in einen Aufzug schoben und ihr sagten, sie solle sich „auf die Kälte gefasst machen“, rechnete sie nicht mit dem Sonnenschein, der ihr Gesicht traf wie ein alter Freund. „Ich hatte vergessen, wie es sich anfühlt, draußen zu sein“, sagte sie unter Tränen. Was verständlich ist – zwei Monate drinnen tun einem Menschen das an.

Lernen Sie die erste Dach-Intensivstation Großbritanniens kennen: ein über 2 Millionen Pfund teurer Außenbereich, finanziert von der Krankenhaus-Stiftung, entworfen von Gartendesignerin Sarah Price und dem verstorbenen Landschaftsarchitekten Nigel Dunnett (der zuvor am Olympiapark für die Spiele 2012 in London arbeitete). Die Station bietet Platz für bis zu sechs kritisch kranke Patienten, die über eine wasserdichte Box neben ihrem Bett mit Strom und Sauerstoff versorgt werden – und dabei genießen können, was die Briten als „Wetter“ bezeichnen.

Der Gedanke dahinter ist fast schon aggressiv vernünftig: Studien legen nahe, dass frische Luft und Natur das Wohlbefinden der Patienten steigern und Krankenhausaufenthalte verkürzen können. Krankenhausgärten gibt es seit Ewigkeiten, aber sie sind selten für Patienten geeignet, die lebenserhaltende Maßnahmen benötigen. Die Ärzte des King's College planen, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Schmerzlevel zu überwachen, um zu sehen, ob das Dach die Genesung beschleunigt. „Wir wollen nicht nur Leben retten“, sagt Dr. Phil Hopkins, Intensivmediziner. „Wir wollen die Menschen so schnell wie möglich in ihr Leben zurückbringen.“

Hollie, die auf eine lebenswichtige Herzoperation wartet und schon vor der Einweisung zu krank war, um nach draußen zu gehen, ist bereits begeistert. „Selbst wenn es Gewitter gäbe, wäre ich hier draußen“, sagt sie. Die Betten sind umgeben von Geißblatt, Jasmin, Lavendel und strukturierten Gräsern, die die Patienten berühren und riechen können. Price sagt, man sehe die Veränderung in den Gesichtern und der Atmung der Patienten. Das Dach wird auch als Pausenbereich für das Intensivpflegepersonal dienen, denn offenbar verdienen auch Krankenschwestern schöne Dinge.

Krankenhausdirektor Clive Kay hofft, dass der Garten zu kürzeren Patientenaufenthalten und einer besseren Nutzung der Intensivpflegeeinrichtungen führt – und dass das Modell im gesamten NHS übernommen werden könnte. Mit anderen Worten: Ein Krankenhaus hat einen Garten auf sein Dach gepflanzt, und es könnte tatsächlich helfen, dass Menschen schneller genesen. Wer hätte gedacht, dass frische Luft und Pflanzen Teil der Medizin sein könnten?