In einer Ära, in der KI Sprachen übersetzen, Code schreiben und schriftliche Division schneller erledigen kann als jeder Mensch, hat die kognitive Psychologin Michelle Miller von der Northern Arizona University eine gewagte These: Dinge zu lernen ist immer noch gut, tatsächlich.

In der neuesten Folge des Podcasts 'How to Touch Grass' von The Atlantic setzen sich die Co-Moderatorinnen Natalie Brennan und Julie Beck mit Miller zusammen, um die ewige Frage zu erörtern: Warum etwas lernen, wenn eine Maschine es für dich tun kann? Es ist eine Frage, die die Menschheit seit dem Taschenrechner heimsucht, und jetzt macht KI Jagd auf die komplexeren Dinge wie Programmieren und, anscheinend, was auch immer wir sonst für gut hielten.

Miller, die Aufmerksamkeit, Gedächtnis und den Einfluss von Technologie auf Bildung erforscht, argumentiert, dass Lernen nicht nur um Nützlichkeit geht. Es geht darum, uns selbst aufzubauen, Handlungsfähigkeit auszuüben und mit der Menschheit in Verbindung zu treten. 'Lernen ist, wie wir uns als Individuen aufbauen, und es ist, wie die Menschheit ihren Kurs bestimmt', sagt sie, vermutlich während sie keinen Taschenrechner benutzt.

Sie verweist auf ihre eigenen Hobbys – Barebow-Bogenschießen (sehr low-tech, sehr Bronzezeit) und Stricken (anscheinend immer noch ein Ding) – als Beweis dafür, dass selbst 'low-tech'-Aktivitäten durch Technologie bereichert werden. Stricken, so stellt sie fest, hat dank Lehrvideos und Online-Communities ein Revival erlebt. Technologie kann also helfen, wenn sie bewusst eingesetzt wird.

Aber sie kann auch behindern. Miller warnt davor, dass das Zücken des Handys, um am Grand Canyon Fotos zu knipsen, tatsächlich dazu führt, dass man sich weniger erinnert. Die Ironie ist ihr nicht entgangen: Wir fotografieren Erlebnisse, um uns zu erinnern, und dann tun wir es nicht. Gleiches gilt für Konzerte – alle filmen, und niemand ist wirklich da.

Was ist also der ultimative Zweck des Lernens? Miller sagt, es geht um Selbstbestimmung und soziale Verbindung. 'Einem anderen Menschen beizubringen, wie man etwas macht – das ist einer der höchsten und besten Ausdrücke der Menschlichkeit, die es gibt.' Und ja, selbst wenn du nie wieder ein Trinkgeld berechnest, formt das Lernen von Mathematik immer noch den Geist, in dem du lebst. Wie Miller es ausdrückt: 'Lernen baut den Geist, in dem wir leben.' Also nur zu, lerne Programmieren, lerne Französisch, lerne Stricken – aber leg das Handy beim Konzert vielleicht einfach weg.