Nobelpreisträger JM Coetzee hat eine Einladung zu einem bevorstehenden Literaturfestival in Israel abgelehnt und den Organisatoren einen Brief geschrieben, der im Wesentlichen das literarische Äquivalent von 'Es liegt nicht an dir, es liegt am anhaltenden Völkermord' ist. Der 86-jährige Autor, geboren im Apartheid-Südafrika und heute in Australien lebend, schrieb im November an das Jerusalemer internationale Schriftstellerfestival, aber seine vernichtende Antwort kam erst jetzt ans Licht.

In seinem Brief erklärte Coetzee: 'In den letzten zwei Jahren hat der Staat Israel eine völkermörderische Kampagne im Gazastreifen durchgeführt, die in krassem Missverhältnis zur mörderischen Provokation vom 7. Oktober 2023 steht.' Er fügte hinzu, dass die Kampagne 'die enthusiastische Unterstützung der überwältigenden Mehrheit der israelischen Bevölkerung zu haben scheint', was bedeute, dass kein Bereich der Gesellschaft, einschließlich seiner intellektuellen und künstlerischen Gemeinschaft, Unschuld beanspruchen könne. Coetzee, der zuvor Israel unterstützte und 1987 zur Annahme des Jerusalem-Preises besuchte, erklärte, dass 'die Vernichtungskampagne im Gazastreifen all das geändert hat' und dass 'es viele Jahre dauern wird, bis Israel seinen Namen reinwäscht.'

Die künstlerische Leiterin des Festivals, Julia Fermentto-Tzaisler, enthüllte Coetzees Ablehnung im April der israelischen Presse und nannte sie eine 'besonders harte Antwort', die sie 'schockierte'. In ihrer eigenen Antwort appellierte sie an Coetzees Anti-Apartheid-Vergangenheit und schrieb: 'Als südafrikanische Schriftstellerin, die gegen die Apartheid kämpfte, hätte ich erwartet – oder vielleicht geträumt – dass Sie mir die Hand reichen würden.'

Coetzee, wohl der weltweit dekorierte lebende Autor mit zwei Booker-Preisen und einem Nobelpreis von 2003, tritt selten öffentlich auf. Das Jerusalemer Festival, das vom 25. bis 28. Mai stattfindet, hat zuvor literarische Schwergewichte wie Margaret Atwood, Salman Rushdie und Jonathan Franzen beherbergt. Unterdessen fand ein UN-Sonderausschuss 'direkte Beweise für völkermörderische Absicht' in Israels Handlungen, und Amnesty International sagt, der Völkermord dauere auch während der Waffenruhe an.