Ein mechanischer Vulkan, der erstmals auf eine Serviette gekritzelt – oder genauer gesagt: 1775 skizziert – wurde, hat sich endlich zusammengerissen und ist ausgebrochen. 250 Jahre zu spät, aber besser als nie. Sir William Hamilton, britischer Botschafter in Neapel und Sizilien und ein Mann, der offensichtlich zu viel Zeit hatte, ersann ein Gerät, um die feurigen Wutanfälle des Vesuvs mit Zahnrädern, Licht und Bewegung nachzubilden. Ob er das Ding tatsächlich gebaut hat, ist ein Rätsel, aber eine detaillierte Skizze in der Stadtbibliothek von Bordeaux gab ihm eine zweite Chance.
Die Wiederbelebung gelang zwei Ingenieurstudenten der Universität Melbourne – Xinyu (Jasmine) Xu und Yuji (Andy) Zeng – die drei Monate in einer Studentenwerkstatt verbrachten, um Hamiltons Uhrwerkkonzept in ein modernes Wunderwerk zu verwandeln. Sie tauschten Zahnräder aus dem 18. Jahrhundert gegen lasergeschnittenes Holz, Acryl, programmierbare LED-Leuchten und elektronische Steuerungen. Denn wenn man schon eine 250 Jahre alte Idee wiederbelebt, kann man sie auch gleich ins 21. Jahrhundert zerren.
Dr. Richard Gillespie, leitender Kurator der Universität, nannte es „ein wunderbares Stück Wissenschaftskommunikation“, was auf Akademisch so viel heißt wie „wir haben das Ding endlich zum Laufen gebracht“. Die Studenten standen vor denselben Herausforderungen wie Hamilton – nämlich die Mechanismen zu verstecken, damit die Illusion eines Vulkans nicht von einem Haufen sichtbarer Kabel ruiniert wird. „Das Licht musste entworfen und ausbalanciert werden“, sagte Zeng, was beweist, dass manche Probleme zeitlos sind.
Das fertige Gerät steht nun als Herzstück der Ausstellung „The Grand Tour“ in der Baillieu Library der Universität, wo es bis zum 28. Juni 2026 zischen und leuchten wird. Besucher können bestaunen, was passiert, wenn Ehrgeiz aus dem 18. Jahrhundert auf Ingenieurskunst des 21. Jahrhunderts trifft, und sich vielleicht fragen, welche anderen historischen Gadgets auf einen Weckruf warten.