Timmy, der Wal, ist auf See verschollen, vermutlich tot. Unter normalen Umständen wäre der Verlust eines jungen Buckelwals ein trauriger, aber unspektakulärer Teil des Kreislaufs des Lebens – tote Wale ernähren Tausende von Meeresbewohnern und tragen zum globalen Kohlenstoffkreislauf bei. Doch im Zeitalter der sozialen Medien bekam der Fall eine andere Bedeutung: Millionen Menschen sahen Videos des jungen Männchens, das von deutschen Medien nach wiederholten Strandungen an der Ostsee getauft wurde, wie es zwischen Leben und Tod schwebte, und viele forderten Maßnahmen.
Letzte Woche brachte eine privat finanzierte Rettungsmission – die angeblich etwa 1,5 Millionen Euro (1,3 Millionen Pfund) kostete – Timmy von den Sandbänken weg. Die Fotos des Wals auf dem Lastkahn waren außergewöhnlich, ein Moment der Hoffnung. Doch der Sender, der seinen Fortschritt in tiefere Gewässer überwachen sollte, funktioniert nicht. Das Tier gilt als tot, ein Ausgang, vor dem viele Naturschützer und Wissenschaftler gewarnt hatten. Einer bezeichnete die Aktion als „eine totale Katastrophe“.
Timmy war nach wiederholten Strandungen bereits geschwächt und hatte Wochen in salzarmem Wasser verbracht. Viele Experten sagten, dass eine Verlängerung seines Lebens grausam wäre; einige schlugen die Einschläferung als humanste Lösung vor. Amy Dickham, Professorin für Wildtierschutz an der Universität Oxford, nannte die Konzentration auf ein einziges Tier zu solch hohen Kosten „wirklich bemerkenswert“ in einer Zeit der Krise für die Finanzierung des Artenschutzes. Sie stellte infrage, ob dies eine gute Verwendung von Geldern sei, verglichen mit Problemen, die weitaus mehr Wale betreffen, wie Kollisionen mit Schiffen und Verheddern in Fischernetzen.
Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW) sagte, die Rettung sollte „uns alle innehalten lassen“, und hob sie als Beispiel für die Herausforderungen sozialer Medien hervor. Meeresbiologen, die den Fall berieten, sahen sich online mit Feindseligkeit konfrontiert, obwohl sie im besten Interesse des Wals handelten. Obwohl globale Strandungsexperten und die Internationale Walfangkommission Bedenken hinsichtlich weiterer Rettungsversuche äußerten, wurde die Entscheidung zur Durchführung letztlich genehmigt. „In komplexen Fällen wie Timmys ist die mitfühlendste Wahl nicht immer die dramatischste“, hieß es.
Buckelwale gelten auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet, nachdem sie sich von der historischen Waljagd stark erholt haben. Vom Klimakollaps bis zur Meeresverschmutzung stehen sie vor denselben Herausforderungen wie alle Meeresbewohner in einer vom Menschen dominierten Welt. Die Ressourcen, die für Timmys Rettung aufgewendet wurden, hätten anderswo wahrscheinlich mehr bewirkt. „Was sich für die Öffentlichkeit gut anfühlt, ist nicht unbedingt das Beste für das Tier“, sagte Dickman. „Der Fall zeigt die Entwicklung hin zu einem stärker von sozialen Medien getriebenen Wildtiermanagement, was alarmierend ist.“