Waldbrände haben ein Rekordjahr – leider ist das kein Kompliment – aber zumindest kann jetzt jeder mit Internetzugang das Gemetzel in bemerkenswertem Detail beobachten, dank Europas kostenlosem Satellitendienst. Der Copernicus Browser, der kostenlosen Zugang zu den neuesten Bildern der Sentinel-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation bietet, hat am 4. August eine eigene Visualisierungsebene für "Waldbrände" hinzugefügt. Denn wer liebt nicht eine neue Möglichkeit, zuzusehen, wie die Welt brennt?

Die neue Ebene, die als Standardoption integriert ist, ist das Werk des Fernerkundungsexperten Pierre Markuse, dessen JavaScript-Skript das rote sichtbare Lichtband, ein schmales Nahinfrarotband zur Unterscheidung gesunder von verbrannter Vegetation und das kurzwellige Infrarotband 2 kombiniert, um Feuchtigkeitsgehalte und damit verbrannte Landschaften aufzudecken. Das Ergebnis: Aktive Brände erscheinen in Weiß oder Gelb, brennende Vegetation in Rot und verkohlte Erde in Dunkelbraun oder Schwarz. Es ist wie ein morbides Malen nach Zahlen, nur für Katastrophenverfolgung.

Zuvor mussten Benutzer Markuses Skript manuell kopieren und in den Browser einfügen, indem sie eine benutzerdefinierte Visualisierungsoption verwendeten – ein bisschen wie das Zusammenbauen eigener IKEA-Möbel, nur um zu sehen, ob das Regal brennt. Aber jetzt, dank Simon Proud, Missionswissenschaftler für Sentinel-2 bei der ESA, der sich für die Integration eingesetzt hat (und es in einem Discord-Kanal von Bellingcat ankündigte, denn wo sonst kündigt man Satellitenbild-Updates im Jahr 2024 an?), ist es nur einen Klick entfernt.

Die drei Satelliten der Sentinel-2-Mission liefern multispektrale Bilder mit einer Auflösung von bis zu 10 Metern im sichtbaren Licht und im Nahinfrarotbereich, was dies zum besten kostenlosen Werkzeug für die hochauflösende Waldbrandverfolgung macht. NASAs FIRMS-Tool bietet dagegen gröbere Bilder bis zu 250 Metern, aktualisiert jedoch innerhalb von Stunden. Sentinel-2 aktualisiert alle paar Tage, liefert aber viel schärfere Bilder. Es ist ein Kompromiss: Geschwindigkeit vs. Klarheit, wie die Wahl zwischen einem verschwommenen Foto von Bigfoot oder dem Warten auf die hochauflösende Version.

Und es mangelt nicht an Bränden, auf die man dieses Ding richten kann. Der Klimawandel macht Waldbrandsaisons länger und intensiver, als ob sie Hilfe bräuchten. Derzeit sind große Teile von Washington und Oregon in Flammen und Rauch gehüllt, Kanada steuert auf eine der schlimmsten Waldbrandsaisonen aller Zeiten zu, und Frankreich und Spanien kämpfen gegen rekordverdächtige Brände, die Hunderttausende zur Evakuierung gezwungen haben. Also zündet die neue Ebene an, Leute – ihr werdet sie brauchen.