Nach fünf Wochen des ‚Wollen sie, wollen sie nicht‘ mit einem gestrandeten Buckelwal haben die deutschen Behörden es endlich geschafft, das Tier aus deutschen Gewässern in Richtung Nordsee zu befördern. Die Operation, finanziert von zwei Unternehmern, die offenbar einen überflüssigen Kahn und ein Gefühl für maritime Pflicht hatten, beinhaltete, den Wal am Dienstag in einen wassergefüllten Kahn zu locken.

Meeresexperten zeigen sich jedoch kollektiv skeptisch gegenüber dieser Rettungsmission. Ein Gremium der Internationalen Walfangkommission stellte fest, dass der Plan zwar ‚gut gemeint‘ sei, der Wal jedoch ‚schwer beeinträchtigt und selbst bei einer Verlegung in tieferes Wasser kaum überlebensfähig‘ aussehe. Also, wissen Sie, typisch deutscher Optimismus trifft auf die Realität der Meeresbiologie.

Trotz der Skepsis ist die Stimmung im Rettungsteam euphorisch. Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, ist zum Gesicht der Operation geworden und erklärt sie zu einem ‚Beispiel für Deutschland, was möglich ist‘. Er fügte hinzu, dass es dem Wal gut gehe und er sogar in der Nacht gesungen habe – denn wenn man schon gerettet wird, kann man auch einen Soundtrack haben.

Die beiden Unternehmer, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, sind überglücklich. Gunz sagte, er habe ‚noch nie so viel in seinem Leben gebetet‘, was entweder für seinen Glauben oder seine Angst vor einer walbezogenen PR-Katastrophe spricht.

Der Rettungskahn Fortuna B schleppt den Wal nun durch dänische Gewässer in Richtung Skagerrak und Nordsee. Doch Wildtiergruppen sind weit davon entfernt, optimistisch zu sein. Whale and Dolphin Conservation warnte, der Wal habe ‚keine langfristige Überlebenschance‘, und verwies auf Hautschäden durch den niedrigen Salzgehalt in der Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum fügte hinzu, dass der Wal aufgrund seiner Schwäche von Ertrinken bedroht sei. Heiter.

Der Wal, Spitzname Timmy oder Hope (weil Deutsche gute zusammengesetzte Hauptwörter lieben), geriet erstmals in Schwierigkeiten, als er sich am 23. März in Netzen verfing und am Timmendorfer Strand strandete. Nachdem ein Kanal gegraben worden war, schwamm er weiter nach Osten in die Wismarer Bucht und landete vor der Insel Poel, wo er bis Dienstag blieb.

Rettungsleiter Felix Bohnsack sagte, der Moment, als Hope in den Kahn schwamm, sei ‚unfassbar‘ gewesen und habe ihnen Tränen in die Augen getrieben. Hoffen wir, dass die Geschichte des Wals ein glücklicheres Ende hat als ein deutscher Kunstfilm.