Eine Langzeitbeobachtung von chronischen Blutkrebserkrankungen hat große genetische Unterschiede zwischen Patienten aufgedeckt, deren Zustand stabil bleibt, und solchen, deren Krankheit schließlich schwerwiegender wird. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass DNA-Veränderungen Ärzten helfen könnten, Diagnosen zu verbessern, Patienten genauer zu überwachen, zu bewerten, wie Behandlungen wirken, und Anzeichen einer Progression Jahre bevor Symptome offensichtlich werden, zu identifizieren.
Veröffentlicht in Cancer Discovery, wurde die Studie von Forschern des Wellcome Sanger Institute und ihren Mitarbeitern geleitet. Das Team kombinierte genetische Analyse mit detaillierten klinischen Aufzeichnungen, um zu untersuchen, wie sich chronische Blutkrebserkrankungen über mehrere Jahrzehnte entwickeln können. Die Ergebnisse wurden auch auf der Konferenz der American Association of Cancer Research (AACR) in San Diego präsentiert.
Myeloproliferative Neoplasien (MPN) sind eine Gruppe seltener, lang anhaltender Blutkrebserkrankungen, die im Knochenmark beginnen, wo Blutzellen produziert werden. Bei Menschen mit MPN produziert das Knochenmark bestimmte Blutzellen unkontrolliert. Etwa 40.000 Menschen in Großbritannien leben mit MPN, und ungefähr 4.000 neue Fälle werden jedes Jahr diagnostiziert. Diese Krebsarten schreiten oft langsam voran. Sie können mit Mutationen oder Veränderungen in der DNA beginnen, die sehr früh im Leben auftreten, gefolgt von zusätzlichen Mutationen, die sich über mehrere Jahrzehnte ansammeln.
Die meisten MPN sind mit Mutationen in den Genen JAK2, CALR oder MPL verbunden. Jedoch haben etwa 10 Prozent der Patienten keine dieser häufigen genetischen Veränderungen. In diesen Fällen können Ärzte Krebs weitgehend durch die Untersuchung des Aussehens von Zellen im Knochenmark diagnostizieren. Infolgedessen könnten einige Patienten eine Krebsbehandlung, einschließlich Chemotherapie, erhalten, ohne definitive genetische Beweise, dass sie einen zugrunde liegenden Blutkrebs haben.
Der Verlauf von chronischem Blutkrebs variiert stark zwischen Patienten. Einige Menschen fühlen sich jahrelang wohl und benötigen nur eine milde Behandlung, während ihre Krankheit stabil bleibt. Andere entwickeln schließlich schwerwiegendere Erkrankungen, einschließlich Leukämie oder Myelofibrose, die Narbenbildung im Knochenmark verursacht. Ärzte können nicht immer im Voraus bestimmen, wessen Krankheit stabil bleibt und wessen fortschreiten wird. Die Forscher untersuchten daher, ob genetische Veränderungen aufdecken könnten, welche Patienten einem größeren Risiko ausgesetzt sind. Sie untersuchten auch, ob Menschen, denen die häufigen MPN-Mutationen fehlen, tatsächlich Blutkrebs haben.
Das Team folgte 30 Patienten mit chronischen Blutkrebserkrankungen, hauptsächlich MPN. Sie kombinierten Ganzgenomsequenzierung mit umfangreichen klinischen Informationen, einschließlich fast 8.000 Bluttestergebnissen, Behandlungsaufzeichnungen und Krankheitsdaten. Mehr als 450 Proben wurden durch wiederholte genomische Tests untersucht. Einige Patienten wurden bis zu 25 Jahre lang durch routinemäßige klinische Versorgung überwacht. Der lange Nachbeobachtungszeitraum verband die genomische Forschung am Sanger Institute mit der routinemäßigen Patientenversorgung im Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust. Dies ermöglichte es den Wissenschaftlern zu beobachten, wie sich Blutzellpopulationen im Laufe der Zeit veränderten, und bot einen breiteren Blick darauf, wie sich Krebs entwickelt.
Mithilfe von DNA aus Blutzellen erstellten die Forscher genetische 'Stammbäume'. Diese Rekonstruktionen ermöglichten es ihnen, die Ursprünge von Krebsklonen zu verfolgen, Gruppen genetisch identischer Zellen, die später zur Krankheitsprogression beitrugen. Die Analyse ergab unterschiedliche Evolutionsmuster bei Patienten mit MPN. Menschen, deren Krankheit klinisch stabil blieb, neigten dazu, genetisch 'stabile' Blutzellpopulationen zu haben, die wenige oder keine zusätzlichen Mutationen erwarben. Im Gegensatz dazu entwickelten Patienten, deren Krankheit fortschritt, im Laufe der Zeit neue DNA-Veränderungen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Progression bei chronischen Blutkrebserkrankungen biologisch 'codiert' sein könnte, Jahre bevor sich der Zustand eines Patienten sichtbar verschlechtert. Mutationen, die mit zukünftiger Progression verbunden sind, könnten lange nachweisbar sein, bevor sich Symptome verschlimmern oder standardmäßige klinische Tests eine größere Veränderung zeigen.
Die Forscher untersuchten auch Patienten, denen Mutationen in JAK2, CALR oder MPL fehlten. Sie rekonstruierten 'Stammbäume' aus etwa 20