Amazons Mechanical Turk, die digitale Ausbeuterwerkstatt, die Menschen mit Cent-Beträgen bezahlte, um zu beweisen, dass sie keine Roboter sind, schließt seine Türen für Neukunden. Am 30. Juli 2026 wird der Crowdsourcing-Dienst keine neuen Kunden mehr annehmen, wie aus einer Ankündigung auf der Mechanical-Turk-Website hervorgeht. Amazon Web Services sagt, die Entscheidung sei nach „sorgfältiger Abwägung“ gefallen, und fügt hinzu, dass bestehende Kunden den Dienst weiterhin wie gewohnt nutzen können. AWS werde weiterhin in Sicherheit und Verfügbarkeit investieren, habe aber keine Pläne für neue Funktionen. Mit anderen Worten: Das Licht brennt, aber niemand ist zu Hause.

Gestartet 2005, war Mechanical Turk ein Marktplatz, auf dem Menschen winzige, automatisierbare Aufgaben für Kleingeld erledigten – wie das Ausfüllen von CAPTCHAs oder die Entscheidung, ob ein Satz fröhlich oder traurig war. Es entfachte Debatten über Arbeitsethik und spielte sogar eine Nebenrolle im Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal. Ab 2018 bewarb Amazon es auch als Möglichkeit, Daten für KI-Training über SageMaker zu annotieren.

Weniger offensichtlich war Mechanical Turk der verborgene Motor für Unternehmen, die KI vortäuschten, wobei Menschen hinter dem Vorhang die Arbeit erledigten – eine passende Anspielung auf den ursprünglichen Schwindel aus dem 18. Jahrhundert, bei dem eine Schach spielende Maschine einen Menschen verbarg. Doch Ironie häufte sich: Eine Analyse von 2023 ergab, dass 33 % bis 46 % der Turk-Arbeiter große Sprachmodelle nutzten, um ihre Aufgaben zu erledigen, was Fragen zur Datenzuverlässigkeit aufwarf und ob Menschen überhaupt noch nötig seien. Ein Reddit-Nutzer erklärte die Plattform für „vor Jahren“ tot und prophezeite, dass Amazon irgendwann den Stecker ganz ziehen wird.