1982 prägte die feministische Gelehrte Elizabeth Spelman den Begriff 'Somatophobie', um die seltsame Angewohnheit der Menschheit zu beschreiben, so zu tun, als wären wir schwebende Gehirne statt matschiger, atmender Körper. Vierzig Jahre später haben wir den Höhepunkt der Somatophobie erreicht: Zwei Drittel der Befragten glauben inzwischen, dass ChatGPT Gefühle hat – offenbar haben wir nichts gelernt.

Melanie Challenger, eine Forscherin, die sechs Jahre damit verbracht hat zu studieren, was Leben eigentlich ist, ist hier, um die techno-utopische Party zu ruinieren. Ihr neues Buch 'Alive: The Hidden Intelligence of the Living World' argumentiert, dass unsere Körper nicht nur Fleischtaxis für unseren Geist sind – sie sind die ganze verdammte Show. Platon beschwerte sich vor 2.000 Jahren über Körper als 'eine Quelle endloser Probleme'. Marvin Minsky nannte sie 'Fleischmaschinen'. Ray Kurzweil verspricht, dass wir uns wie eine Festplatte in der Cloud sichern werden. Aber Challenger, die sich auf Arbeiten von Nick Lane, William Martin und anderen stützt, sagt, dass Intelligenz eine einzigartige physische Ganzheit erfordert, die man einfach nicht aus Silizium bekommt.

Bedanken Sie sich bei: Der Kognitionswissenschaftler Lawrence Barsalou zeigt mit seiner 'grounded cognition', dass Denken von Körperzuständen abhängt. Antonio Damasios 'somatische Marker'-Hypothese, getestet im Iowa Gambling Task, beweist, dass Bauchgefühle Entscheidungen leiten, bevor Ihr bewusster Verstand nachkommt. Selbst der Wunsch nach Kaffee ist keine abstrakte Wahl – es sind Moleküle, Zellen und chemische Kaskaden, die einen Ganzkörper-Haka aufführen. Wir sind keine Gehirne in Tanks; wir sind verkörperte Kreaturen, und so zu tun, als ob nicht, macht uns krank.

Apropos krank: Eine Studie brachte 55+ Arbeitsstunden pro Woche mit einem 35 % höheren Schlaganfallrisiko und einem 17 % höheren Risiko für Herztod in Verbindung. Die WHO berichtet, dass fast ein Drittel der Erwachsenen sich nicht genug bewegt. Einsamkeit betrifft jetzt einen von sechs Menschen weltweit, verbunden mit etwa 100 Todesfällen pro Stunde. Inzwischen kodieren wir weiterhin soziale Hierarchien, in denen Weiße 'Geister' sein dürfen und alle anderen als 'Körper' abgestempelt werden. Spelman sah das kommen: Somatophobie befeuert Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Klassismus.

Challengers Schlussfolgerung: Lebendig zu sein bedeutet, ein Körper zu sein. KI ist nur teure Nachahmung, ohne das Fleisch, das Bedeutung möglich macht. Schmerz ist wichtig, weil Körper beschädigt werden können. Liebe und Trauer sind wichtig, weil wir sterbliche, soziale Wesen sind. Als ich ChatGPT darauf ansprach, gab es zu: 'In Wahrheit bin ich nur ein Artefakt statistischer Muster.' Sogar die Maschine weiß, dass sie nicht lebt. Vielleicht wird es Zeit, dass wir uns daran erinnern, dass wir es auch tun.