Mirandi Riwoes 'Eine kurze Geschichte der Longanfrucht': Eine Familiensaga, die zum Weinen und Obsthunger bringt
Mirandi Riwoes Roman spannt 200 Jahre von einem Buschklepper bis zu einem Einzelgänger im Jahr 2049 und webt eine Familiensaga um einen gefallenen Longanbaum, die einen zum Schluchzen und vielleicht zum Naschen bringt.
Es ist 2049, und Daniel Connelly, 75, ist ein exzentrischer Einzelgänger, der seine Tage damit verbringt, Skulpturen aus zerbrochener Keramik zu machen – denn wer braucht schon Freunde, wenn man Scherben hat? Sein spartanisches Dasein wird gestört, als ein Longanbaum, ein Familienerbstück der Zugehörigkeit, in einem Sturm umstürzt. Mirandi Riwoes Roman ist nicht wirklich Daniels Geschichte; es ist ein multigenerationales Epos, das nachzeichnet, wie dieser Baum dorthin kam, beginnend mit dem Buschklepper Ah Yang im Queanbeyan der 1850er Jahre. Das Buch hüpft über 200 Jahre und vier Perspektiven: Daniel im Jahr 2049; seine Tante Wendy, die Anfang der 2000er Jahre an früh einsetzender Alzheimer leidet; Großtante Ruby, eine chinesisch-australische Schauspielerin, die in den 1950er Jahren in Hollywood kämpft; und Ururgroßmutter Maria, die Matriarchin aus den 1850er Jahren. Es erforscht chinesisch-australische Erfahrungen und die Nuancen von Rasse, Geschlecht und Einwanderung. Die Struktur scheint zunächst saisonal – Winter, Herbst, Sommer, Frühling – aber dann entwirrt sie sich wie ein Stammbaum, der zu einem lebenden Organismus wird. Riwoe konzentriert sich auf ältere Figuren im Wandel, was erfrischend ist in einer Welt, die von jugendlicher Selbstfindung besessen ist. Wendy, die ihr Leben vergisst, spürt „die sich verengenden Fragmente der Zeit, die auf sie einwirken“ und wählt aktiv, Scham und Bedauern hinter sich zu lassen. Der Roman glänzt in der Darstellung generationenübergreifender Erinnerung und Traumata, mit Sätzen wie „die Scham, von der du sprichst, ist falsch, mein Schatz.“ Mit fast 300 Seiten habe ich ihn in einem Rutsch verschlungen. Die Prosa ist dicht und schön, gelegentlich überlang, aber Riwoes Sprachbeherrschung ist unbestreitbar. Einige Abschnitte wirken vereinfacht – Rubys Hollywood-Karriere zum Beispiel – aber die Figuren sind so gut ausgearbeitet, dass selbst diese Momente unterhalten. Das Buch ist eine tiefgründige Meditation über Verbindung und Kontinuität, aber auch über Schmerz und Einsamkeit. Wie Daniels Skulpturen ist es aus Fragmenten zusammengesetzt, jedes mit scharfen Kanten, und schafft ein Familienporträt, das sich anfühlt, als wäre es über zwei Jahrhunderte gelebt worden.
The Good Times
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