Ein weit verbreitetes Gelenkergänzungsmittel könnte mehr tun, als nur knarrende Knie zu beruhigen – es könnte auch den Weg zur Demenz beschleunigen. Forscher der University of Florida haben herausgefunden, dass Glucosamin, das beliebte rezeptfreie Mittel gegen Gelenkschmerzen, mit einer um 25% höheren Wahrscheinlichkeit verbunden ist, dass Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung an Alzheimer erkranken.

Veröffentlicht am 9. Juni in Nature Metabolism, analysierte die Studie UF-Gesundheitsdaten von 2012 bis 2024 mithilfe von KI, wobei der Fokus auf Patienten mit Alzheimer oder leichter kognitiver Beeinträchtigung lag. Unter 2.750 MCI-Patienten und 1.896 Alzheimer-Patienten, die angaben, Glucosamin einzunehmen – etwa 8% jeder Gruppe – war das Ergänzungsmittel mit einem 25%igen Anstieg des Demenzprogressionsrisikos bei MCI-Patienten und einem 25%igen Anstieg der Sterblichkeit bei bereits diagnostizierten Alzheimer-Patienten verbunden.

Die Forscher unter der Leitung von Ramon Sun, Ph.D., Direktor des Center for Advanced Spatial Biomolecule Research, identifizierten auch einen potenziellen Mechanismus: Glucosamin könnte einen Zucker-Anhängsel-Pfad im Gehirn überaktivieren und die Proteinfunktion stören. Experimente an genetisch veränderten Mäusen zeigten, dass Glucosamin soziale Gedächtnisdefizite verschlimmerte, während die Reduzierung der Zucker-Anhängsel-Aktivität das Gedächtnis verbesserte. Menschliches Hirngewebe aus der UF Neuromedicine Brain and Tissue Bank bestätigte höhere Werte von Zuckerbindungen an Proteinen in Alzheimer-Proben.

„In den Vereinigten Staaten leben etwa 7 Millionen Menschen mit Alzheimer und Millionen weitere mit verwandten Demenzerkrankungen“, sagte Sun. „Viele dieser Menschen nehmen aktiv ein rezeptfreies Ergänzungsmittel ein, das ihren Krankheitsverlauf verschlechtern könnte.“ Die Ergebnisse beweisen keine Kausalität, warnen die Forscher, aber sie werfen genug Fragen auf, um klinische Studien zu rechtfertigen. Wie Studienkoautor Matt Gentry, Ph.D., es formulierte: „Die Daten aus den elektronischen Gesundheitsakten sind sehr provokativ. Obwohl es sich um eine Assoziation und nicht um einen Kausalitätsbeweis handelt, wirft es eine wichtige klinische Frage auf.“