Europas wirksamstes Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasen – das EU-Emissionshandelssystem (ETS) – ist laut Kritikern gefährdet, verwässert zu werden, nachdem die Europäische Kommission eine Überarbeitung vorgeschlagen hat, die den Verschmutzern einen billigeren, langsameren Weg zur Emissionsreduktion bietet. Die Überprüfung, die auf den Fersen tödlicher Waldbrände in Spanien und rekordverdächtiger Hitzewellen auf dem gesamten Kontinent kommt (die Wissenschaftler zufolge ohne Klimazusammenbruch „praktisch unmöglich“ wären), zielt darauf ab, das ETS an das EU-Ziel für 2040 anzupassen, die Emissionen um 90 % zu senken. Aber der Druck von zehn EU-Mitgliedstaaten, die behaupten, das System treibe die Energiekosten in die Höhe und schade der Wettbewerbsfähigkeit, hat zu Zugeständnissen geführt: Schwerindustrien erhalten länger kostenlose Verschmutzungsgenehmigungen, und die Obergrenze für Genehmigungen wird langsamer gesenkt. Seit 2005 hat das ETS die Emissionen im Vergleich zu 2005 um 47 % gesenkt, aber die vorgeschlagene Verlangsamung könnte laut WWF zusätzliche 2 Milliarden Tonnen CO2 ermöglichen. Das System würde auf kommunale Abfälle und Privatjets ausgeweitet (endlich ein Ende dieses unfairen Privilegs für die Reichen), aber Flüge nach China und in die USA werden verschont, um Konflikte mit der Trump-Administration zu vermeiden. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra nannte das ETS ein „phänomenales Asset“, das Europa davor bewahrt habe, 100 Milliarden Kubikmeter mehr Gas zu verbrauchen, räumte aber ein, dass es Schwächen habe – nämlich unfairen Wettbewerb durch nichteuropäische Rivalen. Kritiker wie der deutsche Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss werfen der Kommission vor, der Industrie „eine Lizenz zum Verschmutzen für noch länger und zu geringeren Kosten“ zu erteilen, während WWF-Vertreterin Camille Maury warnte, dass das Entfernen von Bausteinen aus dem ETS wie das Destabilisieren eines Jenga-Turms sei. Der Gesetzesentwurf muss nun von den 27 EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt werden.