„Bang My Box: Die Robin Byrd Geschichte“ – Rezension: Als Public Access noch Spaß machte und ein bisschen geil war
Eine Dokumentation über Robin Byrd, die Häkelbikini-tragende Königin des Public-Access-Sexfernsehens, die gegen die Reagan-Regierung kämpfte und gewann – und damit bewies, dass Freiheit sowohl frech als auch nostalgisch sein kann.
Wenn der Titel „Bang My Box: Die Robin Byrd Geschichte“ nicht irgendeinen Preis für den unvergesslichsten Dokumentarfilmnamen gewinnt, können wir die menschliche Fähigkeit zur Freude gleich ganz aufgeben. Jyllian Gunthers und Stephanie Schwams überschwängliches Porträt von Byrd – einer Pionierin, die gewagte Programme ins amerikanische Fernsehen brachte – hat einen schrulligen Charme und ein nostalgisches Herz, ganz wie sein Gegenstand.
Von 1977 bis 1998 konnten New Yorker Kabelabonnenten „The Robin Byrd Show“ einschalten, eine sexpositive, ausgelassene Public-Access-Party, die spätnachts lief. Byrd, eine selbsternannte „Orgy Queen“, die in über einem Dutzend Pornofilmen (darunter der Klassiker „Debbie Does Dallas“) mitwirkte, moderierte in ihrem Markenzeichen, einem schwarzen Häkelbikini und milchweißer Maniküre, und bändigte Performances und Interviews mit Pornostars und Künstlern wie Candida Royalle und Annie Sprinkle.
Mehr kitschig als fleischlich, wurden die Sendungen von albernem Exhibitionismus und einer echten Begeisterung für alle sexuellen Orientierungen angetrieben. Aber als die Reagan-Administration in den 1980er Jahren zu HIV/AIDS schwieg, wurde Byrd politisch, warb wiederholt für Safer Sex und hieß schwule Fans in ihren Anrufsegmenten willkommen. Und als wütende Konservative sie abschalten wollten, gewann sie eine Klage gegen die Kabelgesellschaft, die ihre Show verschlüsseln wollte.
Heute eine zufriedene Siebzigjährige, ist Byrd hinter ihrem zotteligen blonden Pony und ihrer ansteckenden guten Laune wiederzuerkennen. Liebevoll beobachtet von Shelly Byrd, ihrem Ehemann seit 1974, erinnert sich diese unwahrscheinliche Kämpferin für den Ersten Verfassungszusatz an eine schwierige Kindheit und denkt über ihr Vermächtnis nach. Zwischen ihrer überladenen Manhattaner Wohnung und ihrem geliebten Haus auf Fire Island hin- und hergerissen, kämpft Byrd mit der Entscheidung, ihre mehr als 600 Bänder („meine Babys“) und andere Erinnerungsstücke einem eifrigen Archivar zu überlassen. Dass sie das nicht längst getan hat, ist überraschend, aber andererseits: Wer von uns gibt schon gern seine Babys her?
Mit Liebe (Sarah Jessica Parker gehört zu den Produzenten) und bewundernswerter Sparsamkeit zusammengestellt, ist „Bang My Box“ gespickt mit schlagfertigen, offenen Kommentaren von Sandra Bernhard und Journalist Michael Musto. Das Ergebnis ist ein munterer Rückruf in eine Zeit, als Shows wie Byrds nicht wirklich um Geschlechtsverkehr gingen. Was sie ausstrahlten, war Freiheit.
The Good Times
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