Eine Naturkatastrophe bringt unerbittliche Klarheit in ein Land, das bereits unter jahrelanger Krise und der rechtswidrigen US-Beschlagnahme von Nicolás Maduro leidet.

Die Verwüstung durch ein Erdbeben wird ebenso sehr durch das geprägt, was davor und danach geschah, wie durch den Schock selbst. Die beiden Beben, die Venezuela letzten Mittwoch im Abstand von Minuten erschütterten, waren die stärksten seit 1900, mit 7,2 und 7,5 auf der Richterskala, und es waren flache Beben, die oft mehr Zerstörung anrichten als tiefere vergleichbarer Stärke. Nachbeben gab es noch am Montag. Mindestens 1.450 Menschen sind gestorben, Zehntausende werden vermisst und mehr als 3.000 wurden verletzt. Die UNO schätzt den Schaden auf 6,7 Milliarden Dollar – das entspricht 6% des BIP des Landes – einschließlich wichtiger Infrastruktur; 38 Krankenhäuser sollen repariert werden müssen. Unicef sagt, dass 1,8 Millionen Menschen Hilfe benötigen.

Die Bilanz solcher Katastrophen spiegelt den Zustand der Nation vor ihrem Eintreffen und die Fähigkeit des Staates zu reagieren wider. Während bemerkenswerte Rettungen in den letzten Tagen sogar nach Ablauf des als entscheidend für die Lebensrettung angesehenen 72-Stunden-Fensters Freude bereitet haben, ist das Bild für Venezuelas Führung nicht schmeichelhaft.