Hinter dieser wunderschönen Sammlung von Volksliedern aus Südostasien, Sowjetrussland und der islamischen und arabischen Welt verbirgt sich das Vermächtnis zweier Amerikaner: des Peyote-schluckenden 78rpm-Sammlers Harry Smith (dessen 1952 erschienene Anthology of American Folk Music Folk-, Blues- und Country-Aufnahmen aus den 1920er und 1930er Jahren präsentierte) und der forschenden Gitarristin Marisa Anderson, deren Backkatalog von Tradition und Improvisation durchdrungen ist. 2023 bettelte sie um Zeit in Smiths geschlossenen Archiven, entdeckte Stunden nicht-amerikanischer Musik und lernte, sie aufzuführen und zu teilen.
Hier interpretiert Anderson neun dieser Melodien, bewusst aus Regionen, die seit ihrer Geburt 1970 von großen US-Konflikten geprägt sind. Während ihre faszinierenden Liner Notes festhalten, was bei der Übersetzung dieser Kompositionen verloren geht und gefunden wird, schlägt ihre universelle Musikalität dennoch durch. Der Opener Quodlibet ist wunderschön: eine komplexe, moll-lastige Medley usbekischer Melodien, ursprünglich auf der Dambura (einer bundlosen Laute) gespielt, bei der Anderson Bluegrass-Techniken hinzufügt, um ihre Unfähigkeit zu kompensieren, Vierteltöne auf ihrer Gitarre zu spielen. Ihre Interpretation eines Qawwali-Gesangsstücks, Hamd, ist ebenfalls ein Highlight, ihre geschichteten Gitarrenlagen klingen vor Wärme und Emotion.