Emily Kenway, Doktorandin der Sozialpolitik an der University of Edinburgh und Autorin von „Who Cares: the Hidden Crisis of Caregiving and How We Solve It“, hat für ihre Forschung mit Berufsdieben gesprochen. Ihre Erkenntnis? Kindesmissbrauch, ein Leben in Pflegefamilien und wenig Bildung ebnen oft den Weg zu einem Leben voller Diebstähle von Luxusgütern.

Lernen Sie Ryan* kennen, 25, ein so begnadeter Ladendieb, dass er etwa viermal pro Woche „kein Kleingeld“ macht, indem er Waren aus großen Kaufhäusern mit begrenzter Sicherheit stiehlt und weiterverkauft. Seine Strategie: sauber und ordentlich aussehen, Kameras im Auge behalten und nur ein oder zwei hochwertige Artikel entwenden – Designerkleidung oder einen kleinen Lautsprecher –, die er in eine Tasche gleiten lässt, bevor er noch ein wenig stöbert und wie ein normaler Kunde den Laden verlässt.

Ryans Geschäft ist Teil eines größeren Trends. Von März 2024 bis März 2025 wurden in England und Wales 530.643 Ladendiebstähle registriert – ein Anstieg von 20 % gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn der aktuellen Polizeierfassung im Jahr 2003. Die Medienberichterstattung war reichhaltig, nicht zuletzt dank des jüngsten Skandals um einen Waitrose-Mitarbeiter, der entlassen wurde, nachdem er einen Mann zur Rede gestellt hatte, der Ostereier stahl. Einzelhandelsmitarbeiter tragen die Hauptlast; die Kriminalitätsumfrage 2026 des British Retail Consortium ergab, dass Diebstahl „ein Hauptauslöser für Gewalt und Missbrauch von Mitarbeitern“ sei, was die Gewerkschaft der Einzelhandelsangestellten zu der Warnung veranlasste, dass „Ladendiebstahl kein opferloses Verbrechen ist“. Inzwischen ist die Behauptung, dass Großbritanniens Ladendiebstahl-„Epidemie“ einen allgemeinen Abstieg in die „Gesetzlosigkeit“ signalisiere, zu einem medialen Standard geworden.