Zehn UN-Beamte haben beschlossen, etwas zu tun, das wahrscheinlich nicht funktionieren wird: Russland höflich bitten, zwei indigene Klimaaktivistinnen freizulassen, die seit sechs Monaten wegen Terrorismusvorwürfen im Gefängnis sitzen, nur weil sie normale Advocacy-Arbeit geleistet haben. Der Brief, der im April verschickt und letzte Woche veröffentlicht wurde, fordert Moskau auf, Daria Egereva und Natalia Leongardt vor einer entscheidenden Gerichtsanhörung an diesem Donnerstag in Moskau freizulassen. Spoiler-Alarm: Russische Beamte haben noch nicht geantwortet.
Egereva, eine indigene Selkup aus Russland und Ko-Vorsitzende des International Indigenous Peoples Forum on Climate Change, wurde am 17. Dezember zusammen mit Leongardt, einer ehemaligen UN-Praktikantin in Genf, verhaftet, nur wenige Wochen nachdem Egereva von der COP30-Klimakonferenz zurückgekehrt war. Die Anklage? Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung, was offenbar bedeutet, einmal mit dem Aborigen Forum verbunden gewesen zu sein, einem informellen indigenen Advocacy-Netzwerk, das Russland vor zwei Jahren geschlossen hat. UN-Experten vermuten, dass die Verhaftungen mehr mit Egerevas lästiger Angewohnheit zu tun haben könnten, an UN-Treffen teilzunehmen und sich für indigene Rechte einzusetzen.
Der Brief, unterzeichnet von UN-Sonderberichterstattern für Umwelt, indigene Völker und Menschenrechte, fordert die sofortige Freilassung und die Einstellung aller Anklagen. Egereva und Leongardt drohen bis zu 20 Jahre Haft. Ihre Inhaftierung hat internationale Verurteilung hervorgerufen; über 100 Organisationen forderten im April beim UN-Ständigen Forum für indigene Angelegenheiten in New York ihre Freilassung.
Egerevas Kollegen sind besonders besorgt, weil sie diese Woche in Deutschland zur Bonner Klimakonferenz hätte sein sollen. Stattdessen sitzt sie in einem russischen Gefängnis, ohne regelmäßige Telefonate und Besuche bei ihrem Ehemann und ihren Kindern. Das International Indigenous Peoples Forum on Climate Change hat den beispiellosen Schritt unternommen, ihre Amtszeit als Ko-Vorsitzende bis zu ihrer Freilassung zu verlängern – ein symbolischer Akt, der sagt: „Wir haben lieber eine abwesende Ko-Vorsitzende, als dass Russland unsere Führung bestimmt.“
Kate Finn, Bürgerin der Osage Nation und Geschäftsführerin des Tallgrass Institute, fasste es zusammen: „Die Arbeit, die sie geleistet haben, ist völlig legitim, völlig innerhalb der üblichen diplomatischen Kanäle. Sie wird von der russischen Regierung als terroristische Aktivität dargestellt, aber es ist eine Aktivität, die indigene Frauen heutzutage jeden Tag für das UN-System ausüben.“ Denn anscheinend ist es in Russland inzwischen ein terroristischer Akt, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen.