Was nur als zutiefst unorthodoxer Ansatz im Wildtiermanagement beschrieben werden kann: Jemand hat es offenbar selbst in die Hand genommen, die Wolfspopulation im italienischen Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise auszudünnen. Im Laufe weniger Tage wurden 18 Wölfe tot aufgefunden, und die Parkbehörden hegen einen „sehr starken Verdacht“, dass vergiftete Köder die Ursache sind.
Die düstere Bilanz begann mit zehn Kadavern in der letzten Woche, gefolgt von weiteren acht, nachdem die Patrouillen verstärkt worden waren. Die Parkbehörde schickte in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft 13 der toten Wölfe an das örtliche Tiergesundheitsforschungsinstitut IZS in Teramo, das das Vorhandensein von „landwirtschaftlichen Pestiziden, die in vergifteten Ködern für Tiere verwendet werden“, bestätigte. Also kein natürlicher Tod – eher ein selbstgemachter Ausrottungsplan.
Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin bezeichnete die Tötungen als „abscheulich und schwerwiegend“ und betonte, dass der Wolfsschutz „entscheidend für das Gleichgewicht unseres Ökosystems“ sei. Das italienische Institut für Umweltschutz und Forschung (Ispra) warnte, dass die Vergiftungen bedeutende Fortschritte im Artenschutz gefährden und Risiken für andere geschützte Arten, Haustiere und die öffentliche Sicherheit darstellen.
Die Todesfälle ereignen sich inmitten einer europäischen Wolfsrenaissance: Die EU meldet einen Anstieg der Wolfspopulation um 35 % auf 23.000 Tiere zwischen 2016 und 2023, konzentriert in Mitteleuropa und den Alpenregionen. Italien allein zählt laut einer Ispra-Erhebung von 2020/21 etwa 3.300 Wölfe. Doch mit mehr Wölfen steigen auch die Nutztierangriffe – 65.500 pro Jahr, so EU-Daten –, was die EU dazu veranlasste, den Schutzstatus des Wolfes von „streng geschützt“ auf lediglich „geschützt“ herabzustufen. Diese Änderung erlaubt Italien, ab 2026 jährlich 160 Wölfe zu töten, obwohl Umweltgruppen angesichts der Vergiftungen nun um ein Umdenken bitten.
Stefano Ciafani, Chef der Umweltorganisation Legambiente, bezeichnete die 18 Todesfälle als „beispiellosen Angriff auf geschützte Wildtiere“ und als Beispiel für „Selbstjustiz“. Er warnte, dass andere Arten als nächstes dran sein könnten, darunter der vom Aussterben bedrohte Marsische Braunbär – ein Symbol des Parks, von dem nur noch etwa 50 Exemplare existieren. Offenbar hat jemand entschieden, dass er die Sache selbst in die Hand nimmt, wenn die Regierung nicht schnell genug tötet. Klasse.