Affen, Spatzen und Schnecken betreten ein Labor: Wissenschaftler untersuchen, ob die Zeit für alle gleich ist
Wissenschaftler untersuchen, wie Tiere Zeit mithilfe optischer Illusionen wahrnehmen, und finden heraus, dass Eichhörnchen, Stare und Affen zeitliche Tricks anders erleben als Menschen – und dass Schmetterlinge diese nutzen könnten, um Fressfeinden zu entkommen.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Ihrem Garten. Eine Hummel saust vorbei, ein Spatz schießt dahin, eine Schnecke schleppt sich über Steine. Stellen Sie sich nun vor, Sie versuchen herauszufinden, ob irgendeines dieser Tiere die Zeit so erlebt wie Sie. Das ist die Prämisse einer aktuellen Übersichtsarbeit von Forschern des Centre for Consciousness Science der University of Sussex, die fragen, ob der subjektive Zeitfluss – den sie „Timescape“ nennen – eine universelle Konstante oder ein maßgeschneidertes Merkmal für jede Spezies ist.
Wir wissen bereits, dass verschiedene Tiere Licht und Schall unterschiedlich wahrnehmen; Bienen sehen ultraviolettes Licht, Spatzen hören andere Frequenzen. Die Frage ist, ob die Zeit selbst ähnlich gefiltert wird. Um dies zu untersuchen, greifen Wissenschaftler auf Zeitillusionen zurück. Nehmen wir die auditive Kontinuitätsillusion: Wenn ein Geräusch für etwa 100 Millisekunden durch Rauschen ersetzt wird und dann wieder einsetzt, „füllt“ unser Gehirn die fehlenden Teile auf. Eichhörnchen und Stare tun dasselbe, aber ihre Überarbeitungsfenster sind kürzer – bei Staren etwa halb so lang, bei Eichhörnchen ein Viertel so lang. Sie leben also möglicherweise in einer etwas schneller geschnittenen Version der Realität.
Dann gibt es die Blitz-Versetzungs-Illusion: Wenn ein sich bewegendes Objekt und ein Blitz an derselben Stelle erscheinen, nehmen wir den Blitz als nachhinkend wahr. Affen erleben dies ebenfalls, aber mit einer geringeren Verzögerung, was darauf hindeutet, dass ihre visuelle Verarbeitung enger synchronisiert ist. Manche Tiere nutzen diesen Effekt als Waffe: Schmetterlinge mit kontrastreichen Flügelmustern erzeugen blitzartige Darstellungen, die Raubtiere verwirren – eine Verteidigung namens Bewegungsdazzle.
Die Forscher spekulieren auch, dass indische Pfauen in ihren Balzritualen flimmerinduzierte Tiefe ausnutzen könnten, um ihre Augenflecken schweben zu lassen. Jenseits akademischer Neugier könnte das Verständnis von Timescapes helfen, bessere Infrastruktur zu entwerfen – etwa um Vogelkollisionen mit Windkraftanlagen zu reduzieren oder zeitlich sensible Beleuchtung für Tierheime zu schaffen. Denn wenn man einen Planeten mit Kreaturen teilt, die die Zeit anders erleben, sollte man besser herausfinden, wie man vermeidet, sie zu nerven.
The Good Times
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