Narendra Modis Bharatiya Janata Party (BJP) hat etwas geschafft, das sie seit Jahren versucht: eine Wahl in Westbengalen zu gewinnen. Der Staat, zuvor eine seltene Oppositionshochburg, ist nun zum ersten Mal an die BJP gefallen und festigt Modis Griff auf die indische Politik weiter. Denn offenbar war die Einparteienherrschaft nicht aufregend genug.

Die BJP soll mehr als 205 der 294 Sitze in Bengals Landesversammlung gewinnen, ein überwältigender Sieg, der Mamata Banerjees Trinamool Congress (TMC) ablöst, die 15 Jahre lang regiert hatte. Banerjee, eine der lautstärksten Kritikerinnen Modis, gesellt sich nun zur wachsenden Liste von Oppositionsführern, die sich fragen, was gerade passiert ist.

Modi erklärte in einer Stellungnahme, die wahrscheinlich bescheiden klang, es aber nicht war, die Ergebnisse würden „für immer in Erinnerung bleiben“ und „die Macht des Volkes habe gesiegt“. Er verbeugte sich auch vor jeder Person in Westbengalen, was je nach Perspektive entweder eine rührende Geste oder ein logistischer Albtraum ist.

Der Sieg folgte einer umstrittenen Überarbeitung des Wahlregisters von Westbengalen, bei der 2,7 Millionen Wähler gestrichen wurden – überproportional Muslime und Minderheiten, die tendenziell nicht BJP wählen. Kritiker nannten es eine systematische Verzerrung der Wahl; die Regierung nannte es eine routinemäßige Bereinigung. Sie entscheiden.

Rahul Verma vom Centre for Policy Research nannte den Sieg den Höhepunkt eines „Sieben-Jahres-Projekts“ der BJP und stellte fest, dass Amtsmüdigkeit und eine gut organisierte Kampagne geholfen hätten, aber auch, dass „dieses Ergebnis ohne eine Konsolidierung der Hindu-Stimmen nicht möglich gewesen wäre“. Mit anderen Worten: Die BJP spielte das lange Spiel, und es hat sich ausgezahlt.

Die BJP behielt auch die Macht in Assam, womit sie 20 von 28 indischen Bundesstaaten kontrolliert. Die Parlamentswahl 2024, bei der die BJP ihre absolute Mehrheit verlor, sieht nun wie ein vorübergehender Schluckauf aus. Die Opposition hingegen ist damit beschäftigt, Boden zu verlieren und sich zu fragen, wo alles schiefgelaufen ist.

Doch nicht alles ist verloren für die Opposition: Südindien bleibt eine BJP-freie Zone. In Kerala besiegte die Kongresspartei erstmals seit einem Jahrzehnt ein kommunistisch geführtes Bündnis, während in Tamil Nadu der ehemalige Filmstar C Joseph Vijay und seine neue Partei die erste frische politische Gruppierung seit fast 50 Jahren wurden, die an die Macht kam. Denn wenn man die BJP nicht schlagen kann, kann man zumindest einen Filmstar zum Sieg führen.