Wenn du nachts auf eine dieser Vogelscheuchen triffst, wäre es dir verziehen, eine Meile zu rennen. Aber bleib stehen und hör dieser heubeladenen Bande von Ernteschutz-Ausgestoßenen zu, die dank der Klimakrise keine Ernten mehr zu schützen und keine Vögel zu erschrecken haben, und du wirst sehen, dass sie nur gute Absichten haben.

Die sensorisch ambitionierte Farm Fatale schließt sich fünf Vogelscheuchen mit Gesichtern aus geschmolzenem Plastik und Stimmen von Kindern, die von Maschinen verschluckt wurden, im künstlichen Studio ihres Piratenradiosenders an. Die Handlung spielt in der nahen Zukunft, wenn die Luft schwer zu atmen ist und Vogelgesang aufgezeichnet wird. Die einzigen, die über die Runden kommen, sind die Industriebauern, die vom Ruin anderer profitieren. Als die Vogelscheuchen eine Biene interviewen, mit einem Mikrofon, das charmant an eine Mistgabel geklebt ist, wird das kleine Wesen als eines der letzten in Europa beschrieben.

Durchdrungen von einem Gefühl von Ideen, die wie frisch gemischter Kompost geworfen werden, wurde diese wehmütige französische Produktion zuerst in Deutschland geschaffen und wird auf Englisch aufgeführt. Regisseur Philippe Quesne, der jahrzehntelange Zusammenarbeit mit seinen Schauspielern kuratiert, betrachtet seine Arbeit mit dem Blick eines Soziologen und genießt es zu beobachten, was eine Gruppe schrulliger Charaktere in einem geschlossenen Raum tun wird.

Die ausufernde erste Hälfte der Show ist köstlich unheimlich und überraschend süß, sie legt die Regeln ihres eigenen Spiels fest, während wir erfahren, warum diese Vogelscheuchen ihre unabhängigen Bauernhöfe verlassen mussten und wie ihr Radiosender Hoffnung und Protest nährt. Aber im Verlauf, auf dem gebleichten Set aus weißem Plastik und Heuballen, gestaltet von Nicole Marianna Wytyczak, lässt sie sich von ihrer eigenen Fantasie ablenken. Die Geschichte wird unruhig, wendet sich zeitweise einem Sci-Fi-Konzert für Eier zu (ein wiederkehrendes Motiv im Werk des Regisseurs), dann einem gewalttätigen Bürgerwehr-Angriff. Keine dieser Szenen ist so in ihrem eigenen Worldbuilding verwurzelt noch so absurd unterhaltsam wie der Rest.

Während sie ihren abschweifenden Fall für Kunst als Rettung und Bauernhöfe als Lebensader der Menschheit macht und die Vogelscheuchen Karaoke zu einer Coverversion von It's Not Easy Bein' Green singen, beginnt man sich ein wenig zu fühlen, als würde man einer überdrehten Improvisationstruppe zusehen. Aber mit einer außergewöhnlichen Ästhetik und einer engagierten Besetzung – Gaëtan Vourc'h's tumben Aktivisten ist ein besonderer Leckerbissen in seiner überschwänglichen Seltsamkeit – sind diese drolligen Standbilder ausgezeichnete Gesellschaft in ihrer Ablehnung der Verzweiflung.