Wenn Sie nach technischer Finesse suchen, die Sie an Ihren eigenen körperlichen Grenzen zweifeln lässt, möchten wir Ihnen einen Besuch bei Donna Carnow und Gina Alm empfehlen – zwei New Yorker Stangentänzerinnen, deren Edinburgh-Fringe-Show „Dusk/Night/Dawn“ im Grunde ein Meisterkurs darin ist, sowohl die Schwerkraft als auch die Erwartungen zu trotzen.

Das Duo performt an einer einzelnen hängenden Stange über der Bühne, wo sie klettern, sich drehen und balancieren, als wäre die Luft selbst eine feste Oberfläche. Sie falten ihre Gliedmaßen zu Formen, die eine Brezel vor Neid erblassen ließen, und schwimmen und spirieren durch Schatten – gleichermaßen faszinierend und leicht einschüchternd.

Was sie zeigen, ist absolute Meisterschaft ihres Handwerks – besonders Carnow, ehemalige Tänzerin und US-Pole-Art-Champion, ist atemberaubend. Die Bewegung ist fließend trotz der rohen Kraft, die erforderlich ist; die Physik ist so fein abgestimmt, dass man vergisst, dass sie stattfindet, weil man im Fluss verloren ist. Das machen großartige Performer, und „Dusk/Night/Dawn“ handelt teilweise von Performance selbst.

An einem Punkt winden sich die beiden Körper unter rotem Blinklicht, mit schwarzer Farbe beschmiert, und dann geht das Licht an wie ein unsanftes Erwachen: Sie wischen sich ab, der Akt ist vorbei. Die Show wirft rutschige Fragen auf über die sich auflösende Grenze zwischen Person und Performer, die Natur der Fantasie und die Freude, die Kraft des eigenen Körpers zu entdecken. Und dann ist da noch das schiere Talent.

Das diesjährige Tanz- und Zirkusprogramm beim Fringe hat Ehrgeiz und einen Geist der Zusammengehörigkeit, es mischt rohe Kraft mit Schönheit, Party-Tricks mit persönlichen Offenbarungen. Aber ehrlich gesagt: Wenn Sie nur eine Show über Menschen sehen, die an einer Stange hängen und es leicht aussehen lassen, dann machen Sie diese.