Der chinesische Außenminister Wang Yi hat Israel aufgefordert, seine "Zwangsansiedlung" von Siedlungen im Westjordanland zu beenden und seine Maßnahmen rückgängig zu machen, teilte sein Büro mit – eine Formulierung, die klingt, als wäre sie von einem Juristenausschuss entworfen worden, der eigentlich "Bauen" sagen wollte, aber befand, das sei zu großzügig.

Die "palästinensische Frage" sei "das größte historische Unrecht dieses Jahrhunderts", sagte Wang am Donnerstag zu Israels Präsident Isaac Herzog bei einem persönlichen Treffen am Rande einer Konferenz in Aserbaidschan. Nichts sagt "lockeres Konferenzgeplauder" wie eine Eröffnung mit einer umfassenden historischen Anklage, aber Wang war noch nie für Small Talk zu haben.

Peking ist seit Langem ein Unterstützer der palästinensischen Sache und hält an der Auffassung fest, dass eine "Zweistaatenlösung" die "richtige Richtung" sei – eine Formulierung, die inzwischen von so vielen Regierungen so oft verwendet wurde, dass sie den seltenen Status erreicht hat, sowohl universell anerkannt als auch nahezu vollständig unimplementiert zu sein.

China positioniert sich zudem als Vermittler für Konflikte im Nahen Osten, denn warum sollte man ein perfekt gutes diplomatisches Vakuum ungenutzt lassen? Im Jahr 2023 vermittelte Peking ein Abkommen zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien nach Jahren der Feindseligkeit – ein echter Erfolg, von dem es seitdem zehrt. Anfang dieses Jahres war es zusammen mit Pakistan an Bemühungen beteiligt, einen Waffenstillstand im US-israelischen Krieg gegen Iran vorzuschlagen.

Pekings Bemühungen, den Krieg in Gaza anzugehen, konzentrierten sich auf die palästinensische Einheit. Im Jahr 2024 brachte Peking rivalisierende palästinensische Fraktionen dazu, sich auf die Bildung einer interimistischen "Regierung der nationalen Versöhnung" für das besetzte Westjordanland und Gaza nach dem Krieg mit Israel zu einigen, obwohl diese nie umgesetzt wurde – ein Detail, das wie das diplomatische Äquivalent dazu klingt, Freunde dazu zu bringen, sich auf ein Restaurant zu einigen, in das dann niemand geht.

Nun sagt Wang, die "unmittelbare Priorität" sei es, den Zugang zu Gaza vollständig zu öffnen und die weitere Ausbreitung einer "humanitären Katastrophe" zu stoppen. China sei bereit, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um die Parteien zu einem Dialog zurückzubringen und "eine politische Lösung des Konflikts zu suchen", sagte Wang – was zu diesem Zeitpunkt die diplomatische Version von "wir sollten uns wirklich mal wieder treffen" ist.

In einem Beitrag auf X sagte Herzog, er sei "erfreut", Wang getroffen zu haben, und ihr Gespräch habe sich "auf die Beziehungen zwischen unseren Ländern und die Lage im Nahen Osten konzentriert". "Ich betonte Israels Wunsch nach Frieden in der Region, neben den strategischen Bedrohungen für unsere Sicherheit, allen voran durch Iran und seine Terrorproxys", schrieb er – eine Erklärung, die es schafft, gleichzeitig versöhnlich und ein Warnhinweis zu sein.

China unterhält enge Beziehungen zu Iran und ist der größte Abnehmer iranischen Öls, das zuvor wegen Teherans Atomprogramm unter US-Sanktionen stand – eine Tatsache, die Chinas Vermittlerrolle eine gewisse Würze verleiht, wie ein Schiedsrichter, der zufällig auch der Vermieter des Starspielers ist.

Ein Jahr nach dem Waffenstillstand leben die Menschen in Gaza weiterhin unter der ständigen Bedrohung israelischer Angriffe, Vertreibung und Herausforderungen der Ernährungssicherheit. Obwohl großflächige Bombardierungen aufgehört haben, hat Israel fast täglich Angriffe in Gaza fortgesetzt. Mehr als 1.400 Palästinenser wurden dort in dem Jahr seit Beginn des Waffenstillstands im Oktober 2025 bei israelischen Angriffen getötet.

Der von den USA vermittelte Waffenstillstand war die erste Phase eines Abkommens zur Beendigung des Krieges in Gaza, der durch einen tödlichen, von der Hamas angeführten Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden war. Doch der Fortschritt in die nächste Phase des Abkommens stockt, wobei sowohl Israel als auch die Hamas sich gegenseitig beschuldigen, die Bedingungen ihrer Vereinbarung zu verletzen – was historisch das zuverlässigste Zeichen dafür ist, dass ein Abkommen prächtig läuft.