Wann ist ein Schuh kein Schuh? In diesem Monat stellt ein Paar der Kultmarke Dear Frances diese Frage mit etwas, das man nur als Fußkäfig bezeichnen kann, der sich als Schuhwerk tarnt. Der Balla-'Sockenschuh' bedeckt fast den gesamten Fuß, während er ihn zur Schau stellt – wie ein klappriges Gefängnis für deine Zehen. Kreativdirektorin Jane Frances sagt, er biete 'eine einzigartige, handschuhartige Passform' und lasse sich 'von der zarten Stärke einer Frau inspirieren'. Das ist eine Art, einen Schuh zu beschreiben, der aussieht, als hätte er einen Kampf mit einer Käse reibe verloren.
Dies ist das neueste Kapitel in der Saga der 'kaum vorhandenen' Schuhe, einem Trend, der auf 2022 zurückgeht, als Alaïas 650-Pfund-Fischernetz-Ballerinas die Welt in Brand setzten – und High-Fashion-Varianten sowie Mainstream-Kopien hervorbrachten, schneller als man 'Zehspalt' sagen kann. Laut Tiffany Hill von Trend Suite funktionierten diese Ballerinas, weil sie 'den Verbrauchern etwas Vertrautes gaben... es aber intimer, leichter und leicht entblößt wirken ließen'. Sie trafen den Sweet Spot: bedeckt, aber nicht bedeckt, praktisch, aber ein wenig provokativ.
Doch wo Alaïas Gewebe fein genug war, um Udon-Nudeln abzuseihen, hat Dear Frances' Sockenschuh und seine Vorgänger ein Gewebe, das selbst Vermicelli davon abhalten könnte, den Abfluss hinunterzugehen. Sie rahmen den Fuß wie Schmuck ein, sagt Hill, wobei der Fuß 'Teil der Styling-Sprache' wird. Bei der jüngsten Chanel-Show in Biarritz erreichte das kaum-vorhandene Schuhwerk seinen absurden Höhepunkt: Absätze, die an die Füße der Models gebunden waren, ohne sonst etwas zu sehen. Hill nennt es 'extreme Modeexpression', bei der 'die Abwesenheit zum Punkt wird'.
Natürlich ist das Tragen dieser Schuhe ein bescheidenes Angeben, das eine kürzliche Pediküre und/oder natürlich schöne Füße voraussetzt – was sich nahtlos in die Mainstreamisierung von Fußfetischen und den lukrativen Online-Markt für Fußbilder einfügt. Außerdem wird 'Gras anfassen' als Gegenmittel zum digitalen Leben gepriesen, also sind nackte Schuhe vielleicht nur der logische nächste Schritt.
Doch Sarah Crookes, Leiterin von Hackney Podiatry, warnt: 'Der Schaft eines Schuhs stützt den Fuß erheblich... nach längerem Tragen [nackter Schuhe] könnte der Träger Fußbelastungen erleiden.' Die dünne Sohle bietet keine Stoßdämpfung von Betonbürgersteigen, sodass die Füße müde und ungestützt bleiben. Besonders für Personen mit Plantarfasziitis oder Achillessehnenproblemen würde sie es nicht empfehlen. Also, zeig diesen Sommer ruhig deine Mittelfußknochen – erwarte nur nicht, mehr als einen Block zu laufen, ohne es zu bereuen.