Wenn man in den 1960er und 70er Jahren Land-Artist war, war das Rezept einfach: Finde ein dramatisch abgelegenes Stück Wüste oder Flussufer, baue etwas monumental Überdimensioniertes und lass die Natur den Rest erledigen. Nancy Holt, eine der wenigen Frauen, die in diesem speziellen Sandkasten spielen durften, befolgte die Formel bis aufs i-Tüpfelchen – und jetzt, endlich, bekommt das UK eine Einzelausstellung von ihr.

Die Ausstellung, die derzeit in der Goodwood Art Foundation in Sussex läuft, zeigt Holts berühmtestes Werk, Sun Tunnels, das sie 1976 in der Wüste Utahs installierte. Das Stück besteht aus vier Betonzylindern, die jeweils präzise ausgerichtet sind, sodass die Sonne und die Sterne eine tägliche Lichtshow durch ihre Öffnungen veranstalten. Es ist die Art von Ding, das einen fragen lässt, ob Holt eine Künstlerin, eine Astronomin oder einfach jemand war, der wirklich, wirklich Beton mochte.

Aber die Kuratoren der Show haben eine Überraschung im Ärmel: Das wichtigste Stück der Ausstellung ist keine 20-Tonnen-Röhre aus Gesteinskörnung und Bewehrungsstahl. Es ist ein kleines Blatt Papier, nur 30 cm mal 45 cm groß, das still an einer Galeriewand hängt. Darauf ist ein konkretes Gedicht – ein Kreis, umgeben von den Wörtern „MOONSUNSTAR EARTHSKYWATER“ – das irgendwie Holts gesamte kosmische Beschäftigung in einem Format zusammenfasst, das man leicht für eine Kritzelei halten könnte.

Holt, die 2014 starb, verbrachte ihre Karriere damit, die Systeme zu erforschen, die der Erde und dem Kosmos zugrunde liegen, oft indem sie riesige Dinge mitten ins Nirgendwo platzierte. Es ist ein passendes Vermächtnis für eine Künstlerin, die offenbar glaubte, dass man, wenn man schon das Universum betrachtet, es genauso gut von innen in einem Betontunnel in Utah tun kann.