Klassikfans kennen die Sarabande als jene stattliche spanische Tanzform, die Bach und Händel gerne verlangsamten und ganz zart und schmachtend machten. Doch der amerikanische Komponist Keir GoGwilt hat etwas weitaus Radikaleres in ihrer Vergangenheit aufgespürt. Auf seinem Kollaborationsalbum *The Zarabanda Variations* versammelt GoGwilt ein zehnköpfiges Ensemble, das Free Jazz gegen barocke Streicher und gesprochene Poesie knallen lässt – alles, um die kolonialen lateinamerikanischen Wurzeln des Tanzes freizulegen, bevor er im 17. und 18. Jahrhundert in Spanien salonfähig wurde.

Beim ersten Hören? Man könnte verzeihen, wenn man denkt, das habe nichts mit der klassischen Sarabande zu tun. Statt höfischer Schritte gibt es atonale Streicherkratzer, klapperndes Schlagzeug, kehlige Laute und scharfe Pfiffe – eine Kakophonie der Spannung, die angeblich die leidenschaftliche, wirbelnde Energie der ursprünglichen Tanzformen widerspiegelt. Statt einer Barockfusion umarmen GoGwilts Kompositionen die weniger bekannten historischen Bezüge der Sarabande, um etwas völlig Neues zu schaffen. Es ist kein leichter Hörgenuss, aber es ist aufregend originell.