Klar, wenn man an den perfekten Schnorchelurlaub denkt, kommt einem Kanadas Westküste wahrscheinlich nicht als Erstes in den Sinn – es sei denn, man mag wirklich, wirklich kaltes Wasser und Riesenoktopusse. Aber laut Leuten, die es tatsächlich gemacht haben, bieten die Gewässer vor Vancouver Island und den Gulf Islands einige der einzigartigsten und artenreichsten Schnorchelerlebnisse Nordamerikas. Die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über zwischen 7 und 11 Grad Celsius, was bedeutet, dass man unbedingt einen Neoprenanzug oder Trockenanzug braucht, es sei denn, man ist ein Eisbär.

Was erwartet diejenigen, die mutig genug sind, den Sprung zu wagen? Kelpwälder, bunte Seeanemonen und der Pazifische Riesenoktopus – die größte Oktopusart der Welt. Ebenfalls auf der Gästeliste: der Wolfsaal (sieht gruselig aus, ist aber eigentlich nur neugierig), Seehasen (winzige, ballonartige Fische, die an Felsen haften), Dornhaie, Rochen und gelegentlich ein Sechskiemerhai, der aus der Tiefe hochschwimmen könnte, um Hallo zu sagen. Plus: Schiffswracks, die zu künstlichen Riffen geworden sind und Korallen, Seesterne und Krebstiere beherbergen.

Aber der wahre Star sind die Glasschwammriffe – eine seltene und uralte Lebensform, die einst für ausgestorben gehalten wurde. Diese Dinger sind quasi lebende Fossilien, die in tieferen Kanälen zwischen den Inseln zu finden sind und Lebensraum für Hunderte von Arten bieten. Die Sichtweite kann 20 bis 25 Meter erreichen, und unter optimalen Bedingungen sogar bis zu 30 Meter, besonders im Frühjahr und Frühherbst. Also ja, man wird viel sehen – mit klappernden Zähnen.

Kurz gesagt: Schnorcheln vor Vancouvers 'Wilder Westküste' erfordert zusätzliche Ausrüstung und eine Toleranz gegenüber Kälte, belohnt einen aber mit einer jenseitigen Meereswelt, die mit jedem tropischen Ziel mithalten kann – nur mit mehr Fleece.