Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden haben mit perfektem Timing nur wenige Stunden vor einer entscheidenden Abstimmung im Parlament Ermittlungen gegen namentlich nicht genannte Abgeordnete und Präsidentenberater eingeleitet. Denn nichts sagt 'demokratische Stabilität' so sehr wie eine Korruptionsbombe kurz vor einer wichtigen Entscheidung. Die Behörden NABU und SAPO, in einer Bewegung, die 'wir versuchen ganz sicher nicht, irgendetwas zu beeinflussen' schreit, gaben keine weiteren Details bekannt. Aber das Timing ist makellos: Das Parlament steht kurz davor, über einen neuen Verteidigungsminister, Jewhen Chmara, abzustimmen, der ernannt wurde, nachdem Selenskyj seinen populären Vorgänger Mychajlo Fedorow entlassen hatte.
Apropos Fedorow: Er entschied Dienstagnacht, dass der perfekte Moment gekommen sei, um eine Präsidentschaftswahl während des Krieges zu fordern, und lieferte damit die direkteste politische Herausforderung an Selenskyj seit der umfassenden Invasion Russlands im Jahr 2022. In einer neunminütigen Videoansprache erklärte Fedorow: 'Die Demokratie darf nicht von Russland als Geisel genommen werden. Wir kämpfen gerade deshalb, weil wir ein freier europäischer Staat bleiben wollen.' Denn, wissen Sie, nichts sagt 'freier europäischer Staat' so sehr wie Wahlen, während Drohnen auf Busse fallen.
Apropos Drohnen: Bei russischen Angriffen kamen über Nacht mindestens vier Menschen ums Leben, darunter eine Drohne, die einen Bus in der südlichen Stadt Cherson traf. Selenskyj nannte es eine 'grausame russische Safari gegen unser Volk', was sowohl entsetzlich als auch seltsam poetisch ist. In der Zwischenzeit schickte die Ukraine Hunderte von Drohnen in Richtung Russland, wobei Moskau behauptete, 453 davon abgeschossen zu haben. Denn der Himmel ist offenbar voller fliegender Rasenmäher und alle spielen ein sehr gefährliches Versteckspiel.
Aber halt, es gibt noch mehr! Estland untersucht, ob Russland an einem Brandanschlag auf ein Gebäude beteiligt war, in dem ein Rüstungskonzern untergebracht ist. Das Gebäude, das von Milrem Robotics genutzt wird, einem Hersteller unbemannter militärischer Waffensysteme, die in der Ukraine und anderswo eingesetzt werden, wurde spät am Freitag angegriffen. Premierminister Kristen Michal sagte: 'Die Verdächtigen wurden identifiziert. Eine der Ermittlungslinien ist ein möglicher Sabotageakt und die Beteiligung Russlands.' Die russische Botschaft in Tallinn hat, wenig überraschend, nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme geantwortet. Wahrscheinlich damit beschäftigt, alles abzustreiten.
Und in der Abteilung 'wir erzählen euch alles, aber nicht wirklich' haben die Anti-Korruptionsbehörden aufgedeckt, dass sie eine Gruppe entlarvt haben, darunter einen Präsidentenbeamten, die 150 Millionen Griwna (3,35 Millionen Dollar) gewaschen hat, um Kaution in einem Energiekorruptionsschema zu zahlen. Die Gruppe soll einen stellvertretenden Leiter des Präsidentenbüros, einen ehemaligen Abgeordneten, Leiter der Geschäfts- und Aufsichtsräte einer staatlichen Bank und andere umfassen. Aber sie nannten keine Namen, weil das ukrainische Gesetz besagt, dass man ohne Gerichtsverfahren keinen Ruf schädigen darf. Denn so funktioniert Politik überall.
In der Zwischenzeit haben russische Streitkräfte ein Frachtschiff im Schwarzen Meer nahe Odessa angegriffen und behauptet, es habe militärische Fracht transportiert. Denn zivile Schiffe zu treffen ist in Ordnung, wenn man sagt, sie seien militärisch, oder? Und in Belgien scheint der größte Waldbrand der jüngeren Geschichte sich dem Ende zu nähern, denn selbst die Natur ist müde von 2026.
Der politische Analyst Artem Bronzhukov stellte in Frage, ob es praktikabel sei, während eines Krieges Wahlen abzuhalten, und merkte an: 'Heute gibt es kein klares Verständnis dafür, wie die Sicherheit der Menschen im Kontext eines umfassenden Krieges gewährleistet werden kann.' Er fügte hinzu, dass es eine 'ziemlich tief verwurzelte Ansicht in der ukrainischen Gesellschaft' gebe, dass Wahlen notwendig seien, aber erst nach Kriegsende. Das Land bleibe, so sagt er, 'eine kriegführende Demokratie – gerade bestätigt durch die Proteste, die nach Fedorows Rücktritt stattfinden.'
Umfragen zum Monatswechsel zeigen, dass Fedorow in der ersten Runde mit 13,1 % auf dem dritten Platz landen würde, hinter Selenskyj mit 22,3 % und Valerii Saluschnyj, dem ehemaligen Chef der Streitkräfte und jetzt Botschafter im Vereinigten Königreich, mit 21,4 %. Dieselbe Umfrage sagt voraus, dass Selenskyj die Stichwahl gegen sowohl Fedorow als auch Saluschnyj verlieren würde. Aber die Abhaltung von Wahlen wäre durch Millionen Exilierte oder Vertriebene, über 1 Million Dienstleistende in den Streitkräften und etwa ein Fünftel des Landes unter russischer Besatzung erschwert.