Jens Spahn, ein hochrangiger deutscher Politiker und enger Verbündeter von Bundeskanzler Friedrich Merz, ist als Vorsitzender der Christdemokraten (CDU) zurückgetreten, nachdem er und sein Ehemann eine Leihmutter zur Elternschaft genutzt haben – eine Praxis, die Spahn zuvor kritisiert hatte und die seine Partei vehement ablehnt. Leihmutterschaft ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz von 1990 verboten und wird mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe bestraft. Spahn weigerte sich als Gesundheitsminister 2020, das Verbot zu lockern. Also taten er und sein Ehemann Daniel Funke das, was jeder Abgeordnete, der gegen Leihmutterschaft ist, tun würde: Sie fanden eine Leihmutter in den USA.

2015 schrieb Spahn: „Als schwuler Mann und Christ fällt es mir persönlich sehr schwer, mich mit der Idee einer gemieteten Gebärmutter anzufreunden.“ Doch am Mittwoch begrüßte er Baby Georg und sagte der Bild: „Georg ist unser größtes Glück. Dieses Gefühl ist fast nicht in Worte zu fassen.“ Die Ankündigung zog sofort Vorwürfe der Heuchelei nach sich. Marion Rosin, CDU-Mitglied in Thüringen, sagte der BBC: „Politiker, die Maßstäbe für andere setzen, müssen auch daran gemessen werden. Wenn diese Glaubwürdigkeit weg ist, ist der Rücktritt eine Frage der Konsequenz.“

Im Februar, während Spahns Leihmutter etwa im vierten Monat schwanger war, stimmte die CDU auf einem Parteitag für die Beibehaltung des Leihmutterschaftsverbots. Spahn, 46, verteidigte sich zunächst und sagte der Bild, er habe „lange mit mir gerungen“, bevor er sich entschied, fortzufahren. Aber Kritiker ließen sich nicht besänftigen. Daniel Peters, CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern, forderte den Rücktritt und sagte, es sei „völlig inakzeptabel“, anders abzustimmen und sich privat anders zu verhalten. Gesundheitssprecher Janosch Dahmen pflichtete bei und merkte an, es gehe um Doppelmoral, nicht um das Kind.

Als die Rufe lauter wurden, lehnte Merz eine Stellungnahme ab und sagte, die Angelegenheit werde bei der nächsten Vorstandssitzung besprochen. Am Samstag trat Spahn zurück und erklärte: „In den letzten Tagen ist mir klar geworden, dass mein persönliches Glück, mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, mit meinem politischen Amt unvereinbar ist.“ Merz nannte den Rücktritt „richtig und unvermeidlich“ und fügte hinzu: „Glaubwürdigkeit ist das wertvollste Gut in der Politik.“