Für Millionen Haitianer besteht der Alltag nun aus einem aufregenden neuen Spiel: den Banden ausweichen, eine Mahlzeit finden und versuchen, sich im eigenen Viertel zu bewegen, ohne ins Kreuzfeuer zu geraten. Bewaffnete Gruppen kontrollieren große Teile von Port-au-Prince und breiten sich aus wie ein besonders gewalttätiges Franchise. Familien fliehen in Rekordzahlen aus ihren Häusern, Schulen und Kliniken sind geschlossen, und humanitäre Organisationen arbeiten auf dem Zahnfleisch, da die Finanzierung versiegt.

Aber hey – sehen wir das Positive. Die haitianischen Behörden setzen endlich lang verzögerte Wahlpläne um, Sicherheitskräfte haben es geschafft, Banden aus einigen strategischen Punkten zu vertreiben, und etwas internationale Hilfe tröpfelt herein. Mehr als die Hälfte von Haitis 11 Millionen Menschen braucht jetzt Nothilfe, aber immerhin gibt es einen Plan, vielleicht bis Ende 2026 Wahlen abzuhalten, mit einem genehmigten Budget von 120 Millionen Dollar. Das Ziel: ein gewählter Präsident bis Februar 2027. Kein Druck.

Gewalt bleibt das Haupthindernis. Bei einem besonders üblen Ausbruch rund um Cité Soleil Anfang dieses Jahres wurden mindestens 542 Menschen getötet, 355 verletzt und 176 Frauen und Mädchen vergewaltigt. Kinder werden von Banden rekrutiert oder extremer Gewalt ausgesetzt. Aber Anerkennung, wo sie gebührt: Spezialisierte Polizeieinheiten haben einige Straßen und Regierungsgebäude zurückerobert. Die von der UN unterstützte Bandenbekämpfungstruppe patrouilliert seit Juni und hat bereits 14 Verdächtige festgenommen und Hunderte Molotowcocktails beschlagnahmt. Zwei neue Justizeinheiten untersuchen Massenverbrechen und sexuelle Gewalt.

Trotzdem können Banden immer noch tödliche Angriffe verüben, Gemeinden erpressen und das Leben allgemein zur Hölle machen. Die Krisen sind alle miteinander verflochten – Wahlen brauchen Sicherheit, Sicherheit braucht Regierungsführung, und nichts funktioniert, wenn Millionen hungern und vertrieben sind. Aber hey, Anzeichen von Fortschritt!