In einem Schritt, der absolut niemanden überraschen wird, kündigte das russische Verteidigungsministerium am Sonntag an, dass es "massive Angriffe" auf die Energieinfrastruktur der Ukraine vorbereitet. Der Grund? Natürlich Vergeltung, als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Öl- und Energieanlagen. Denn nichts sagt "verhältnismäßige Reaktion" wie Millionen Menschen wieder in eisige Dunkelheit zu stürzen.

Die Ankündigung erfolgte, als die Zahl der Todesopfer des russischen Angriffs am Freitag auf ein Lagerhaus in Myla westlich von Kiew auf 38 stieg, vier Menschen werden noch vermisst. Ukrainische Beamte sagen, das Lagerhaus habe Munition gelagert, und die daraus resultierenden Explosionen und Brände hätten Dutzende nahe gelegener Häuser erfasst. Dies macht es zum tödlichsten Angriff des Jahres, so Präsident Wolodymyr Selenskyj. Denn offenbar brauchte das Jahr einen neuen Maßstab für Tragödien.

Unterdessen wurden in Kiew bei einem Angriff am Samstag ein zweijähriges Mädchen getötet und 12 weitere verletzt, so Bürgermeister Vitali Klitschko. Im östlichen Dorf Bilbasowka starben am Sonntag ein 13-Jähriger und ein Erwachsener, nachdem russische Truppen Bomben auf Privathäuser abgeworfen hatten, wie der örtliche Beamte Wadim Ljach berichtete. Denn nichts sagt "militärische Präzision" wie Bomben auf Häuser.

Aber die Angriffe sind nicht einseitig. Am Sonntagabend tötete ein Raketenangriff zwei Menschen und verletzte 16 in der russischen Stadt Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine, so der amtierende Gouverneur Alexander Schuwajew. Er sagte, die Ukraine habe eine Gewerbeeinrichtung getroffen und Brände in sieben Lagerhäusern ausgelöst. Eine weitere Person wurde bei einem ukrainischen Angriff auf eine Mine im russisch kontrollierten Teil der Region Luhansk getötet, wie der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region, Leonid Pasetschnik, berichtete. Denn in diesem Krieg hat jeder eine Chance zu trauern.

Inmitten des Chaos sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhen Chmara, Kiew wolle einen Teil eines EU-Darlehens, das für nächstes Jahr vorgesehen ist, vorziehen, um das Haushaltsdefizit von 27 Milliarden Dollar in diesem Jahr zu decken. Er enthüllte auch, dass die Ukraine vier potenzielle Abfangjäger getestet hat, um die düsengetriebenen Drohnen abzuschießen, die Russland zunehmend auf die Ukraine abfeuert. Schwärme dieser Hochgeschwindigkeitsdrohnen haben Kiew vier Tage in Folge geplagt, Bewohner getötet, Häuser und Lagerhäuser beschädigt und allgemein allen den Tag verdorben.

Präsident Selenskyj sagte, die Ukraine bereite weitere Gespräche mit Vertretern des US-Präsidenten Donald Trump vor. "Es wird morgen weitere Details geben. Wir werden alles tun, was wir können, damit der Krieg nicht die einzige Option bleibt, wie sich die Ereignisse weiterentwickeln", sagte er in einer Fernsehansprache. Denn an diesem Punkt scheint "alles, was wir können", eine Menge Hoffen und ein bisschen Diplomatie zu beinhalten.

Ein NATO-Beamter sagte am Sonntag, Russland verstärke hybride Aktionen in Europa, aber das Bündnis sehe keine unmittelbare Angriffsgefahr. "Auch wenn die Russen auf erheblichen Widerstand der Ukraine stoßen, verstärken sie ihre Angriffe auf die Ukraine sowie hybride Aktionen in Europa", sagte der Beamte. "Wie immer bleibt die NATO wachsam und aufmerksam gegenüber der Vielfalt der Bedrohungen, denen wir gegenüberstehen. Derzeit sehen wir keine unmittelbare Angriffsgefahr." Denn nichts sagt "beruhigend" wie eine vage Aussage über Wachsamkeit, während das Stromnetz deines Nachbarn explodiert.