In einem Schritt, der absolut niemanden überraschen wird, wurde die Waffenruhe im Libanon erneut auf die Probe gestellt: Israel hat Angriffe im Süden gestartet, nachdem es der Hisbollah eine "eklatante Verletzung" vorgeworfen hatte. Das libanesische Gesundheitsministerium meldet einen Toten und 12 Verletzte, als ein Gebetsraum auf einem Friedhof in Tibnin getroffen wurde. Denn nichts sagt "Respekt vor den Toten" wie ein Bombenangriff auf einen Friedhof.

Aber das ist noch nicht alles. Das israelische Militär gab auch seine erste Evakuierungsanordnung seit über einem Monat für die Stadt Mansouri heraus und forderte die Bewohner auf, vor "entschlossenem Vorgehen" zu fliehen. Die Anordnung kam etwa 30 Minuten vor den Angriffen, was in diesen Gegenden praktisch ein Höflichkeitsbesuch ist.

Die Hisbollah ihrerseits schwieg zu den Ereignissen, vielleicht weil sie zu sehr damit beschäftigt ist, darüber nachzudenken, wie der im späten Juni vereinbarte trilaterale Rahmen funktioniert. Dieser Rahmen sollte vorsehen, dass sich Israel aus dem Südlibanon zurückzieht, im Austausch für die Entwaffnung der Hisbollah. Die Hisbollah lehnte dies natürlich ab und nannte die Bedingungen "Überschreitung aller roten Linien". Rote Linien sind offenbar eher Vorschläge.

In der Zwischenzeit teilte eine israelische Militärquelle lokalen Medien mit, dass vertriebene Bewohner von Mansouri unter der Schirmherrschaft der libanesischen Armee zurückgekehrt seien, die einen Kontrollpunkt in der Gegend eingerichtet hatte - eine Verletzung der Vereinbarungen, so Israel. Die Stadt liegt in einer 10 km tiefen "Sicherheitszone" entlang der Grenze, in der angeblich "militärische Aktivitäten, die das Leben libanesischer Zivilisten gefährden", stattfanden.

Bürgermeister Haidar Madihli beschrieb vier Angriffe auf Gebäude und Villen im Viertel Ghazaleh, die umfangreiche Schäden verursachten und eine weitere Welle der Vertreibung auslösten. Etwa 120 Familien waren nach dem Waffenstillstand vom 19. Juni zurückgekehrt, aber diese Zahl war auf 40-50 geschrumpft, als die Angriffe intensiviert wurden. Denn nichts sagt "Willkommen zu Hause" wie ein Dach, das dir um die Ohren fliegt.

Das humanitäre Büro der Vereinten Nationen stellte fest, dass über 820.000 Vertriebene begonnen hatten, in ihre Häuser zurückzukehren, aber etwa 360.000 bleiben vertrieben, darunter 26.000 in staatlichen Unterkünften. Es ist eine langsame, schmerzhafte Rückkehr zur Normalität, die ständig durch, na ja, Bombenangriffe unterbrochen wird.

Dies alles geht auf den 2. März zurück, als die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuerte, als Vergeltung für einen Angriff, der den obersten Führer des Iran tötete. Israel reagierte mit einer Bombardierungskampagne und einer Invasion. Seitdem wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 4.333 Menschen im Libanon getötet, darunter 392 Frauen und 253 Kinder. Seit dem Waffenstillstand sind weitere 353 getötet worden. Auf israelischer Seite starben 38 Soldaten und vier Zivilisten.

Also, zusammengefasst: Waffenruhe verletzt, Angriffe gestartet, Evakuierung angeordnet, Zivilisten leiden, und alle sind überrascht. Schon wieder.